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Von – 26. August 2011

Geistliche Kampfführung

In Norwegen verübt ein Terrorist Massenmord und beruft sich dabei auf die christlichen Kreuzritter. In Amerika ruft ein republikanischer Gouverneur zum Mega-Gottesdienst, um die Finanzkrise wegzubeten. Hinter solchen kruden Vorstellungen steht ein Weltbild, in dem das Böse als Teufel oder Satan personifiziert wird.

Die Schuldenkrise wegbeten: Tausende folgten dem Aufruf von Rick Perry, Gouverneur von Texas und möglicher Präsidentschaftskandidat der USA, zu einem Mega-Gottesdienst in Houston. Foto: Brandon Thibodeaux/Getty Images/AFP

Pfarrerin Lieve Van den Ameele war erstaunt über die Anfrage, die im Büro der Gemeinde Fechenheim eintraf: Ob sie denn einen „Jesus-Marsch“ unterstützen wolle. Als Veranstalter firmierte eine Bewegung namens „Himmel über Frankfurt“. Auf deren Internetseite heißt es, man sei eine übergemeindliche Bewegung von bibelgläubigen Christen, „die ihrem Herrn Jesus Christus ernsthaft nachfolgen und SEINEN Auftrag erfüllen wollen“. Ziel sei, „den Thron Gottes in Frankfurt aufzurichten und die Stadt mit dem Wort Gottes zu füllen, damit möglichst viele Menschen zu Erkenntnis der Wahrheit, die Jesus Christus selbst ist, kommen.“

Die Sprache klingt etwas merkwürdig, aber auf den ersten Blick hört sich das unverfänglich an. Doch der Jesus-Marsch ist ein Instrument der so genannten „geistlichen Kampfführung“. Mit ihrer Hilfe sollen räumlich begrenzte Gebiete „zurückerobert“ werden. Gemeint ist der Kampf gegen dämonische Mächte, die über bestimmte Nationen, Regionen, Städte und Wohngebiete oder sogar einzelne Häuser und Wohnungen herrschen. Frankfurt mit seiner materialistischen und pluralistischen Kultur steht nach Ansicht dieser Bewegungen unter besonders starkem Einfluss dämonischer Mächte.

Solche Vorstellungen gehen davon aus, dass es einen weltgeschichtlichen Kampf zwischen „Gut“ und „Böse“ gibt. Engel und Dämonen kämpfen in den Lüften miteinander, und Christinnen und Christen können durch ihr Handeln und Beten den Engeln und damit Gott selbst zum Sieg verhelfen. Dies geschieht meist durch Gebete und offensive Kampfansagen gegen die „Mächte der Finsternis“. Auf diese Weise soll die Herrschaft Satans und seiner Dämonen gebrochen werden.

Die Mittel, derer man sich bedienen soll, sind hauptsächlich Fürbitte und offensives Gebieten „im Namen Jesu“ sowie Lobpreis und Anbetung. Hierzu gibt es eine genaue Strategie. Zunächst wählt man eine geographische Einheit aus. Die Gläubigen sollen sich einer persönlichen „Reinigung“ unterziehen. Buße, Fasten und Gebet sollen die „geistliche Optik“ schärfen und dem „Feind“ jegliche Angriffspunkte entziehen. Die Anwesenden stellen sich unter den „Schutz des Blutes Jesu“.

Ferner soll die Region aus religionsgeschichtlicher Perspektive untersucht werden. Da praktisch alle nichtchristlichen Religionen als dämonisch gelten (außer dem Judentum), findet sich hier immer ein Ansatzpunkt. Auch wird nach den in einer Region vorherrschenden Sünden gesucht. In Frankfurt gelten zum Beispiel das Rotlichtviertel und die Bankniederlassungen – als Anhaltspunkte für einen Geist der sexuellen Unzucht beziehungsweise der Habgier – als besonders belastet. Manche gehen dabei so weit, dass sie Landkarten in einzelne Territorien zerlegen, über die jeweils ein bestimmter Dämon herrscht, um gezielt für geistliche Befreiung beten zu können. Diese Vorgehensweise bezeichnet man als „spiritual mapping“. Für eine erfolgreiche geistliche Kriegsführung ist die „Geisterunterscheidung“ bedeutsam. Die Geister und ihre Namen müssen identifiziert werden, damit man sie vertreiben kann.

Die Vertreibung Satans und der Dämonen geschieht durch Lobpreis und durch die Proklamierung des Namens Jesu. Dahinter steht letztlich ein magisches Verständnis von Gebet: Man glaubt, dass das Beten und Rufen des Namens Jesu bewirkt, dass die dämonischen Mächte verschwinden. Solche „Wirkautomatismen“ sind im Prinzip ein in christlicher Verkleidung daher kommender Okkultismus. Denn nach der christlichen Lehre hat eben nicht der Mensch, sondern allein Gott die Wirkung eines Gebetes in der Hand.

Abschied vom Teufelsglauben

Christinnen und Christen, die sich das Böse als personifizierten Teufel oder Satan vorstellen, stoßen an eine gedankliche Grenze. Denn nach christlicher Überzeugung hat Gott ja die ganze Welt geschaffen – also auch den Teufel. Ein allmächtiger Gott kann nicht im Kampf mit dem Teufel stehen.

Um diesem logischen Widerspruch zu entgehen, wird der Teufel oft als gefallener Bote Gottes gesehen. Das heißt, der Teufel übt zwar Macht aus, aber grundsätzlich könnte Gott diese Macht jederzeit zurückfordern. Allerdings stellt sich dann die Frage, warum Gott den Teufel gewähren lässt.

Die moderne protestantische Theologie verzichtet gänzlich auf personalisierte Teufelsvorstellungen. Die menschliche Freiheit besteht darin, sich für oder gegen etwas entscheiden zu können. Das Böse kommt nicht von außen, sondern ist Teil des menschlichen Denkens und Handelns.

Krieg und Terror, Finanzkrisen und Ungerechtigkeiten sind zwar sicherlich böse, aber sie werden von Menschen angezettelt und ausgeführt. Deshalb hilft dagegen auch keine Teufelsaustreibung – sondern nur Umkehr und Buße.

Terror und Fundamentalismus

Schnell waren Erklärungen für die Attentate in Norwegen zur Hand. Zuerst vermuteten viele islamische Terroristen, dann wurde die krude Gedankenwelt von Anders Breivik mit christlichem Fundamentalismus in Verbindung gebracht. Doch auch damit hat er nichts zu tun. Seine Motivation war der Hass vor allem auf Menschen anderer Nationalität und Religion. So kommt Massimo Introvigne, italienischer Soziologe und Experte für neue religiöse Bewegungen, zu dem Schluss: „Wenn man eine Methode in seinem Wahnsinn finden will, so muss man den roten Faden in seinem Denken aufspüren, und das ist in erster Linie seine Islam-Feindlichkeit, die sich im Westen bisher kaum gewaltsam manifestierte.“

Hingegen gab Breivik klare Anleitungen für die Planung und Durchführung von Terroraktionen – von der Weitergabe seiner Sprengstoffkenntnisse bis zu strategischen Überlegungen zur Planung von Terrorakten. Breivik ist also ein Terrorist, der seine Taten mit verworrenen Überzeugungen begründet, die er von religiösen Fundamentalisten übernimmt, weil sie zu seinem Hass auf „Andere“ passen – ähnlich ist es im Übrigen auch bei „islamistischen” Terroristen.

Fundamentalismus und pseudoreligiöser Terrorismus ähneln sich zwar im Hinblick auf ihre Intoleranz – man denke nur an den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush, der mit Blick auf feindliche Länder von einer „Achse des Bösen“ sprach. Oder auch an einen christlich fundamentalistischen Prediger, für den zum Umkreis dämonischer Mächte alle Hochreligionen Asiens und der Islam gehören, ebenso übrigens Homöopathie, Fußzonenreflexmassage und andere alternative Heilmethoden, da sie eine „dämonische Verführung“ darstellen.

Aber während der Fundamentalist diese Auffassungen nur predigt und praktiziert, stellt sich der Terrorist selbst an Gottes Stelle. Er überschreitet „die Schwelle der Zu- und Aberkennung der Existenzberechtigung anderer“, wie es der Psychiater Robert Jay Lifton formuliert. Für Terroristen sind Menschen, die ihrer „Wahrheit“ entgegenstehen, Feinde, die massiv bekämpft werden müssen, wobei alle Mittel erlaubt sind.

Sowohl Terrorismus als auch Fundamentalismus bedienen sich eines Weltbildes, in dem das Gute mit dem Bösen kämpft. Konflikte zwischen Menschen, zwischen Nationen, zwischen Kulturen sind Teil dieses immer währenden Kampfes. Man selbst steht natürlich auf der Seite des Guten. Ob nun islamische Staaten angeblich eine Achse des Bösen bilden oder ob der Islam Norwegen bedroht – das Böse greift an, und man selbst muss das Gute verteidigen.

So gesehen greifen George W. Bush und der Attentäter Breivik durchaus auf ähnliche Denkmuster zurück.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 26. August 2011 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Thomas Buley schrieb am 16. September 2011

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    aus Anlass der o.g. Artikel ist es für mich eine Herzensangelegenheit Ihnen einmal zu schreiben.

    Teil 1

    Meiner Meinung nach wird generell, auch bei ihnen, zu wenig differenziert über Freikirchen berichtet und geurteilt bzw. diese in bestimmte, eher negative Schemata gepreßt.
    In den von mir benannten Artikel wird dabei ein Bezug zwischen dem Attentäter Breivik aus Norwegen, auch George W. Bush und einer charismatischen Bewegung hier in Frankfurt hergestellt, der, meiner Meinung nach, so nicht zulässig ist. Auch die Einordnung ‚Fundamentalismus‘, womit wohl charismatische und auch generell Freikirchen gemeint sind, halte ich, zumindest so pauschalisiert, für verfehlt.
    Was heißt das? Sind Freikirchen, nur weil sie die Bibel als Grundlage für Ihren christlichen Glauben etwas ernster nehmen, der Nährboden für Intoleranz oder gar Gewaltakte, wie die von Anders Breivik (in seinem Pamphlet im Internet verspottet er den christlichen Glauben)? Oder dienen der Legitimation für ungerechte Kriege des George W. Bush (Seine Kirche (Methodisten) hat sich in aller Form von ihm distanziert)?

    Die von Ihnen beschriebene Aktion ‚Himmel über Frankfurt‘ ist von der Europa-Mission hier in Frankfurt initiert, wird aber auch von verschiedenen, auch nicht-charismatischen Freikirchen unterstützt. Ich selbst hatte das Vergnügen mir ein klassisches Konzert des Milal-Missionary Choir in der Dreikönigskirche anhören zu können, daß auf Einladung der Europa-Mission veranstaltet wurde. Dieser ‚’Chor’ ist ein grosses Orchester und Chor mit missionarischen Ansatz (die Akteure kommen aus allen Ländern der Welt). Ja, ich wurde am Ende des Konzertes von netten koreanischen Damen auf Englisch angesprochen, ob ich den an Jesus glauben würde und man wollte mit mir beten. Das geschah aber in einer sehr höflichen Art und Weise ohne mich in irgend einer Weise zu bedrängen oder zu nötigen. Die Europa-Mission zeigte auch auf der Zeil den Jesus-Film, der in vielen Sprachen vertont das Leben von Jesus und seinen Jünger zeigt und von vielen Organisationen und Kirchen zur Mission eingesetzt wird. Die folgende Ansprache war eindringlich, aber im Sinne des Evangeliums, wie es in der Bibel beschrieben wird. Ich hatte dabei nicht das Gefühl es mit Fanatikern oder ‚Fundamentalisten‘ zu tun zu haben. Für mich ist das ohnehin ein leerer Begriff, der in erster Linie diskriminieren soll. Meine ehemalige Deutschlehrerin würde von einer Worthülse ohne Inhalt sprechen, wie z.B. Alles klar!

    Zu meinem Hintergrund ist zu sagen, dass ich aktuell Mitglied der Evangelischen Kirchengemeinde in Frankfurt-Nied bin und dort die Webseite betreue.

    Ich bin in der evangelischen Kirche ‚aufgewachsen‘. Sowohl meine Eltern als auch beide Großeltern hatten in Berlin / Ostwestfalen als auch in Sachsen, neben dem Leben in ihren evangelischen Gemeinden, auch Kontakt zu den örtlichen landeskirchlichen Gemeinschaften (Stadtmission) bzw. sind auch in diese Versammlungen gegangen.

    Ich selbst habe mich zum Glauben an Jesus bekehrt, so wie es auch die Bibel lehrt, nach dem Besuch der Kinderevangelisationsbewegung (KEB) aus der Schweiz, wo der christliche Glaube sehr lebendig und kindgerecht vermittelt wurde (übrigens in den Räumen der damaligen Apostelgemeinde hier in Nied (EKHN), auch mit der außdrücklichen Zustimmung der Gemeinde).
    In der Kinderstunde habe ich mich nicht getraut den vorgeschlagenen Schritt zu Jesus zu tun. Ich habe dies im Alter von zehn Jahre abends für mich alleine im Gebet getan. Was damals passierte, ist mir eindrücklich im Gedächtnis geblieben. Ich spürte ein unglaubliches Glücksgefühl, ein sehr starke Freude, was für mich außerhalb jeder davor und danach erlebter Gefühle liegt und für mich eindeutig von außerhalb von mir selbst, von Gott kommt.
    Ich habe seitdem immer wieder diesen Kontakt zu Gott und auch seine Führung gespürt und auch die starke Verbundenheit zu anderen Christen, wie z.B. der Mutter meines Vaters und auch meine Schwester, die starke Vorbilder im Glauben für mich sind. Beide engagierten sich bzw. engagieren sich bewußt in ihren normalen evangelischen Gemeinden.
    Nachdem ich sehr bewußt meine Konfirmandenzeit durchlebt hatte und nach der Konfirmation gerne in die Gemeinde gegangen war, erlebte ich eine große Ernüchterung durch sehr leblose Predigten und auch fehlende Gemeinschaft zwischen den Gemeindegliedern, was im starken Gegensatz zu dem stand, wie ich es bei der KEB, aber auch mit meiner Großmutter und meiner Schwester erlebt hatte.
    U.a. deswegen ging ich in der Folgezeit mit Unterbrechungen, zum CVJM, zur Stadtmission und auch zum EC (Jugendbund der Gemeinde). Daneben war ich Pfadfinder im EJW hier in Frankfurt (christliche Pfadfinder in der EKHN). In Bielefeld, wo ich eine Zeit lebte, ging ich in eine Philadelphiagemeinde, die dort eine sehr gemäßigte Pfingstgemeinde ist. Wieder in Frankfurt angekommen, schloß ich mich der Baptistengemeinde in Höchst für längere Zeit an. Außerdem besuche ich bis heute andere Freikirchen hier in meinem Umfeld, z.B. die Freie Gemeinde am Oederweg, die Methodisten in Höchst und auch die sehr junge Freie Evangelische Gemeinde in der Ludwigstr. nähe Güterplatz, Hauptbahnhof (Frankfurt CityChurch). Seit einiger Zeit gehe ich regelmäßig in die Gottesdienste meiner Gemeinde in Nied zu der, auch über meine Eltern, nie der Kontakt abgerissen war. Vor gut einer Woche auch in die katholische Nieder St. Markusgemeinde zum ökumenischem Gemeindefest.

    In allen Kirchen habe ich unverfälscht christlichen Glauben und auch echte christliche Gemeinschaft erlebt, aber in der großen Mehrheit keine engstirnigen ‚Fundamentalisten‘.
    Jede Kirche hat ihre ‚Spezialitäten‘, leider auch Vorurteile und Vorbehalte gegenüber anderen Kirchen bzw. Konfessionen.

    Meiner Meinung nach, sollten wir nicht negative Meinungen über andere Kirchen oder Christen verbreiten, sondern 1. unsere eigene Glaubenposition entwickeln und diese auch an andere weitergeben und 2. auf die anderen Kirchen zu gehen und die Einheit im Glauben suchen, so wie es Jesus uns geboten hat.

    Ein wesentliches Anliegen von mir ist, für mehr Toleranz gerade unter uns Christen zu werben und sich direkt ‚vor Ort‘ auf andere Gemeinden und deren Christen einzulassen, auch wenn Christen in unserem Umfeld Vorurteile gegen diese haben. Wir sollen andere Christen an ihren Aussagen und ihrem Handeln gerade mit den Aussagen der Bibel prüfen und dann uns objektiv eine Meinung bilden.

    Teil 2
    Zu der im Artikel geäußerten Meinung ‚es gäbe den Teufel nicht in Person‘.
    Zunächst ist folgendes zu sagen: Gott handelt als Person. Dies zeigt sich allein aus Sicht der Naturwissenschaft in der Ordung, die im gesamten Kosmos bis hin zum Makrokosmos existiert (siehe Paulus).
    Nach der Bibel sollen wir uns keine Vorstellung von Gott machen, da kein Bild, das wir entwickeln Gott gerecht werden würde. Immerhin ist er das Wesen, das dieses Universum mit seiner Ausdehnung von ca. 14 Milliarden Lichtjahren geschaffen hat und daneben die transzendente Welt (u.a. die Himmel), die sich nahezu völlig unserem Zugriff entzieht.
    Daß es eine sehr starke Kraft gibt, die sehr negativ gegen die Schöpfung arbeitet, ist klar zu erkennen, sowohl unter uns Menschen als auch in der Natur.
    Z.B. gibt es eine Gesetzmäßigkeit im Universum, die Entropie, die besagt, daß alle Materie einen größtmöglichen Grad an Unordnung anstrebt, was der oben beschriebenen Ordnung Gottes entgegen wirkt, worin ich eine starke Wirkung des Bösen sehe.

    Die Existenz von transzendenten Wesen, neben Gott und seinen Engeln, den Teufel und seine Engel, die Dämonen, auszuschließen, halte ich für gewagt, da es neben sicher massiven Übertreibungen, die oft auch auf Unwissen oder Aberglauben basieren, auch gut belegte, seriöse Berichte über das Eingreifen von Engeln aus antiken Zeiten bis zu unserer Zeit gibt. Die Wissenschaft selbst stellt Theorien wie die Slice-Theorie (Existenz von Paralell-Universen) oder die Quanten-Physik auf, die unseren Erfahrungshorizont bei weitem sprengen und in vielen Punkten nicht direkt zu belegen sind. Daher sollten wir nicht zuletzt der Bibel hier im Vergleich eine faire Chance einräumen. Zumal hier Menschen konkrete Erfahrungen mit Gott und der Gegenseite gemacht haben und zumindest Ansatzpunkte für die Realität solcher Phänomene vorhanden sind.
    Vor einiger las ich im Neukirchner Kalender über eine Frau in der DDR an der Ostseeküste, die im Sommer 1989 traurig ihre Meinung laut äußerte, daß sie wohl erst in ihrem Rentenalter mit einem Schiff nach Schweden reisen könnte. Ein Mann, vermutlich ein Engel, sagte ihr, daß sie noch im Herbst dieses Jahres diese Reise machen könnte und das Land dann frei sei. Nach dieser Aussage war dieser ‚Mann‘ spurlos verschwunden. Es gibt einige Berichte über das Eingreifen von Engeln um auch Menschenleben zu retten, z.B. Kinder, die in verschütteten Häusern überlebt haben, weil ein Engel die Mauern vor dem Einstürzen bewahrte.
    Auf der anderen Seite berichtet z.B. die Parapsychologie (u.a das Institut in Freiburg) in umfangreichen Studien über reale dämonische Kräfte, die bei einzelnen Menschen am Wirken sind und diese völlig zerstören.
    Mir fällt in diesem Zusammenhang der Fall eines Baptisten ein, der von einem Satanisten-Paar in ihre Wohnung gelockt wurde. Ein Messer auf einem Fenstersims der Wohnung glühte übernatürlich, sagten die Zwei später aus und das eine Stimme ihnen befohlen hätte den Mann zu töten, was sie dann auch mit 66 Messerstichen taten (u.a. war in der F.A.Z. darüber zu lesen).

    Der Mensch ist zwar böse von Natur aus, wie die Bibel sagt und das alles Schlechte aus seinem Inneren kommt.
    Es mag sein, daß jemand aus Verrohung oder einer persönlichen negativen Vorgeschichte heraus, auch schlimme Dinge tut. Aber solche bestialischen Gewalttaten werden, meiner Meinung nach, durch äußere Kräfte beeinflußt. Ich glaube nicht, daß Menschen aus eigenem Antrieb zu solchen Dingen fähig sind.

    Im großen Maßstab sind satanische Wirkungen, z.B. im Hitler-Regime oder auch die Exzesse unter Stalin zu sehen. Interessant ist, daß sich in diesen Fällen die meiste negative Energie gegen die Juden, Gottes Volk und auch uns Christen richtet. Es sieht so aus, wie wenn es eine Kraft gibt, die jeden Beweis an die Existenz Gottes und auch die Ausrichtung an seine Gebote auslöschen möchte.
    Diese ganzen Erkenntnisse bringen mich zu dem Schluss, daß es eine Gegenkraft zu Gott gibt, über deren Aussehen wir, da sie direkt nicht wahrnehmbar ist, auch nur spekulieren können.
    Warum Gott den Fall dieses Erzengels zugelassen hat und ihn auch solche Dinge tuen lässt, kann ich nicht erklären. Sicher könnte er dies in seiner Allmacht unterbinden, was er am Ende der Zeit tuen wird. Ein Ansatz ist das Prinzip der Freiwilligkeit, daß Gott kein Wesen zu irgendetwas zwingt, sondern eine Entscheidung für ihn, aus eigenem freien Willen heraus, erreichen möchte.
    Wir sind momentan aber nicht der Lage die Prinzipien zu verstehen nach denen Gott handelt, aber er verfolgt einen guten, großen Plan, der zu seinen guten Zielen zum Wohl aller Wesen führt.

    Bei dieser ganzen Betrachtung ist das Paulus-Wort wichtig, daß wir nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und Gewalten kämpfen. Das bedeutet, daß wir nach dem Gebot von Jesus alle Menschen lieben sollen, egal wie schlecht sie sich verhalten haben. Und daß wir gegen die Sünde bzw. auch die Kräfte, die dahinter stecken, mit den ‚Waffen‘ der Christen kämpfen sollen, d.h. mit Gebet und der ‚Waffenrüstung‘ wie sie Paulus in Epheser 6, 11 beschrieben hat. Und eben nicht Menschen oder Völker diskriminieren, hassen oder gar Kriege führen.

    Als Beispiel für diesen ‚Kampf‘ ist das Verhalten der Witwe von Tilman Geske zu nennen, der in Malatya in der Türkei mit zwei anderen Missionaren grausam lange zu Tode gefoltert wurde. Seine Frau hat den Mördern vergeben und bleibt in der Stadt um die Menschen dort mit ihrem Zeugnis zu überzeugen.

    Ein weiteres Beispiel ist die holländische Missionarin Corrie ten Boom, die dafür das ihre Familie Juden während der Nazizeit in ihrem Haus versteckt und zur Flucht ins Ausland geholfen hatte, mit ihrer Familie in ein Arbeitslager gesteckt wurde, wo alle anderen Familienmitglieder außer ihr, ums Leben kamen.
    Sie begegnete nach dem Krieg ihrem größten Peiniger, durch dessen Hand auch ihre geliebte Schwester ums Leben kam. Dieser Mann war Christ geworden. Durch ihren Glauben war sie in der Lage dem Mann zu vergeben und sogar Gemeinschaft mit ihm zu haben.

    Ich hoffe, daß ich meine Ansichten Ihnen relativ klar darlegen konnte, auch wenn dieser Brief natürlich viel zu lang zum veröffentlichen ist. Mir war das Ganze aber auch in der Länge wichtig.

    Zum Schluß noch ein Zitat:
    „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ Rosa Luxemburg

    Ich wünsche Ihnen alles Gute und Gottes Segen,
    Thomas Buley