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Von – 27. Dezember 2013

„Das ist doch kein Ding!“

Mariem El Abdi engagiert sich als Teamerin bei den evangelischen Jugendreisen „Hin und Weg“. Außerdem springt sie im Stadtjugendpfarramt ein, wann immer etwas zu tun ist.

Mariem El Abdi ist Teamerin bei den Evangelischen Jugendreisen und hilft im Stadtjugendpfarramt aus, wenn immer es dort was zu tun gibt. Foto: Ilona Surrey

Mariem El Abdi ist Teamerin bei den Evangelischen Jugendreisen und hilft im Stadtjugendpfarramt aus, wenn immer es dort was zu tun gibt. Foto: Ilona Surrey

„Das ist doch kein Ding, da komme ich und packe mit an.“ So locker und überzeugend sprudeln diese Worte aus Mariem El Abdi heraus, dass man es der jungen Frau sofort abnimmt. Die 26 Jahre alte Pädagogikstudentin engagiert sich als Teamerin bei den evangelischen Jugendreisen „Hin und Weg“. Außerdem springt sie im Stadtjugendpfarramt ein, wann immer etwas zu tun ist. Dann kreuzt sie in der Geschäftsstelle in der Stalburgstraße auf, kopiert Schreiben, tütet Briefe ein oder hilft, im Keller aufzuräumen.

Es ist die freundliche, familiäre Atmosphäre, die der jungen Frau hier gefällt. Zu der Aufwandsentschädigung, die sie als Teamerin für die Kinder und Jugendfreizeiten bekommt, sagt sie zwar nicht Nein: „Ich finanziere mein Studium selber und kann das Geld gebrauchen.“ Aber vor allem steht sie hinter der Sache.

El Abdis Eltern stammen aus Tunesien und sind Muslime, aber Mariem ging in einen evangelischen Kindergarten. Dort und in der Schule durfte sie immer alles mitmachen, was geboten wurde. Ihr Vater hielt nichts von einem Gottesglauben, der auf Verboten und Intoleranz beruht. Mariem el Abdi hat seine Worte noch gut im Ohr: „Jeder Mensch trägt seinen Gott im Herzen. Du musst dich nicht rechtfertigen und kannst deinen Glauben leben, so wie du es für richtig hältst.“

Diese offene und tolerante Haltung hat ihr geholfen, den eigenen Weg zu finden. Deshalb hat sie auch keine Berührungsängste gehabt, beim Stadtjugendpfarramt anzuklopfen und zu fragen, ob sie bei den Jugendfreizeiten mitmachen kann. „Es ist ein tolles Konzept: Erschwingliche Ferien für Frankfurter Kinder zu organisieren, die sonst vielleicht nie wegkommen würden.“ El Abdi hat an Workhops und Fortbildungen teilgenommen und ist nun seit zwei Jahren dabei. Auch, als sie gefragt wurde, ob sie im Jugendhaus Sossenheim für sechs Monate als Praktikantin aushelfen könnte, sagte sie: „Klar, das ist doch kein Ding.“

Die Kinder und Jugendlichen kennen sie als „Miri“, der man alles erzählen und die man alles fragen kann. Zum Beispiel, wieso sie nicht an Ramadan fastet, obwohl sie doch eine Muslimin ist.

Dann erinnert sich El Abdi daran, wie schwer es für sie als Kind zuweilen war, anders zu sein und sich nicht in ein Schema pressen zu lassen. Dass sie oft heulend zu ihrem Vater gelaufen ist, weil sie als unkonventionelle Muslimin geärgert und ausgegrenzt wurde.

„Ich werde heute oft als ein Vorbild angesehen, und ich versuche, den Kindern zu erklären, dass jeder seinen eigenen Weg gehen darf“, sagt sie. Sie weiß, wie wichtig es dabei ist, einen Rückhalt zu haben in der Familie oder bei Freundinnen und Freunden.

Für Mariem El Abdi, die junge Studentin und angehende Pädagogin, ist auch die Arbeit beim Stadtjugendpfarramt so ein Rückhalt. „Es ist schön, ein Teil davon zu sein“, sagt sie und zählt deswegen auch nicht die Stunden, die sie sich hier ehrenamtlich einsetzt. Etwas kürzer treten wird sie aber wahrscheinlich doch in der nächsten Zeit. Sie ist nämlich schwanger und freut sich auf ihr erstes Kind.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 27. Dezember 2013 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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