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Von – 15. Juli 2016

Ohne Kreativität geht nichts

Helmut Völkel hat viel zu tun, aber er tut es gern: Neben seinem Job als Journalist und Pressesprecher ist er auch noch Kirchenvorstandsvorsitzender der Hoffnungsgemeinde im Gutleutviertel und im südlichen Westend. Ein Portrait.

Der Journalist Helmut Völkel aus der Hoffnungsgemeinde will, dass die Kirche sich in aktuelle gesellschaftliche Debatten einmischt. Foto: Rolf Oeser

Der Journalist Helmut Völkel aus der Hoffnungsgemeinde will, dass die Kirche sich in aktuelle gesellschaftliche Debatten einmischt. Foto: Rolf Oeser

Morgens: Dienstbesprechung mit Pfarrer und Pfarrerin. Mittags: Gespräch mit der Leiterin der Kindertagesstätte. Nachmittags: Austausch mit dem Küster, weil es Ärger mit einer Gastgemeinde gab, die die Matthäuskirche manchmal nutzt. Zwischendurch hat die Gemeindesekretärin ein Anliegen, und abends wartet der Schreibtisch, denn eine Rede muss geschrieben werden: Was wie der Zeitplan eines viel beschäftigten Managers klingt, ist der Alltag von Helmut Völkel. Der 66-Jährige ist Vorsitzender des Kirchenvorstands der Hoffnungsgemeinde, die im Gutleutviertel und im südlichen Westend angesiedelt ist.

Helmut Völkel hat viel zu tun, aber er tut es gern. „Mir macht das alles großen Spaß.“ Der gelernte Journalist pendelt an drei Tagen in der Woche zu seinem Arbeitgeber nach Limburg, wo er die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für das Dekanat Runkel und Weilburg macht.

Doch trotz dieses vollen Programms wirkt Völkel kein bisschen gestresst, während er auf dem hellen Dielenboden des großen Saals im Gemeindezentrum in der Hafenstraße 5 steht und Besucher begrüßt. Er fühlt sich sichtlich wohl in dem Raum mit den großen Fenstern, dieser Oase im Urbanen, von der es nur ein paar Schritte zu den alten Arbeiterkneipen auf der Gutleutstraße, zum Hauptbahnhof und zu den neuen luxuriösen Wohnblocks am Westhafen sind.

Es ist eine spannende Ecke der Stadt, in die Völkel seit den 80er Jahren gemeindlich eingebunden ist. Da sind die wohlhabenden neu Zugezogenen, die Arbeiterfamilien des „alten“ Gutleut sowie zahlreiche Migranten und Migrantinnen, viele christlich.

Die Matthäuskirche ist längst verschiedenen Gruppen zu einer geistlichen Heimat geworden, was nicht immer ohne Konflikte und nie ohne Kreativität funktioniert. „Matthäus macht Programm“ heißt eines der Lieblingsprojekte von Helmut Völkel. Kunstausstellungen, Theaterstücke und Vorträge sollen die Gemeindearbeit in diesem vielfältigen Stadtteil verwurzeln.

Im Harz geboren und in Hildesheim aufgewachsen war Völkel von 1969 bis 1986 in Berlin, zunächst als Student der Freien Universität, dann als Lehrbeauftragter und schließlich als Mitarbeiter bei Radio B-1 und dem Tagesspiegel. Nach Frankfurt kam er als Referent der Christlichen Presse-Akademie, arbeitete anschließend als freier Journalist und Medientrainer und trat in eine Werbeagentur ein. „Zu Zeiten, in denen ich beruflich stark eingespannt war, war ich in der Gemeinde präsent, aber nicht aktiv.“ Das ist jetzt anders.

In Völkels Biografie passt vieles zusammen. Das fing im evangelischen Kindergarten an und hörte bei evangelischen Pfadfindern und Posaunenchor noch lange nicht auf. Auch während des Studiums blieb Helmut Völkel seiner Heimatgemeinde verbunden, an den Studentendemonstrationen der frühen 70er beteiligte er sich dennoch. Das passte, findet er noch heute. „Die Kirchen müssen sich als Akteure im gesellschaftlichen Diskurs verstehen.“ Die Kaffeestube für Arme zählt er dazu, ebenso die Hilfe für Geflüchtete. „Wir müssen die Stimme der Stummen sein, die Stimme der Schwachen.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 15. Juli 2016 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe , .

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Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de.

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