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Von – 1. Februar 2006

Schwanger in der Ausbildung – ein Dilemma

„Vorfahrt für Arbeit!“ – diese vorherrschende Meinung bringt immer mehr junge Frauen in ein echtes Dilemma, wenn sie ungewollt schwanger werden. „Dass Frauen Angst haben, in der Schule oder in der Ausbildung Probleme zu bekommen, ist inzwischen einer der häufigsten Gründe für eine Abtreibung“, sagt Karin Kühn, die Leiterin des Evangelischen Zentrums für Frauen, zu dem auch eine Schwangerschaftskonfliktberatung gehört. „Es spielt in 45 Prozent aller Fälle eine Rolle und ist der zweithäufigste Grund, der genannt wird – nach körperlicher und psychischer Überforderung und noch vor Problemen in der Partnerschaft.“

Auch Elena wollte eigentlich abtreiben. Ihr Freund wollte kein Kind, und ihr Studium muss sie sich mit Nebenjobs finanzieren. Sie befürchtete, mit einem Kind nicht weiter studieren zu können und auch später im Berufsleben schlechte Chancen zu haben.

Eine keineswegs unberechtigte Angst. „Viele Arbeitgeber sind unflexibel, die Arbeitszeiten sind zu sehr festgelegt, lassen sich schlecht mit einem Kind kombinieren“, sagt Kühn. „Vor einigen Jahren waren die Frauen noch gelassener, trauten sich zu, dass sie auch nach einer Auszeit beruflich wieder Fuß fassen können und finanziell durchkommen. Das ist heute nicht mehr so.“

Allerdings ist die Lage nicht immer so aussichtslos, wie sie auf den ersten Blick aussieht. Zum Beispiel bei Elena: Obwohl die äußeren Umstände nicht günstig waren, stellte sich im Beratungsgespräch heraus, dass sie das Kind eigentlich haben möchte. Und dass es durchaus Möglichkeiten gibt, das zu organisieren. Elena entschied sich letztlich gegen eine Abtreibung. Nach der Geburt will sie ein Urlaubssemester einlegen, danach aber auf jeden Fall weiter studieren, während das Kind in einer Krippe oder von einer Tagesmutter betreut wird.

Es lohnt sich also, alle Möglichkeiten auszuloten. „Es werden ja in Frankfurt immer mehr Krabbelstuben eingerichtet“, sagt Kühn – wobei die Kosten allerdings ein Problem seien. „Andererseits gibt es aber auch Stiftungen, die Schwangere und junge Mütter eine Zeitlang finanziell unterstützen.“ Wichtig ist es, die jeweilige Situation der betroffenen Frau, ihre persönlichen Wünsche und die realistischen Chancen genau zu untersuchen – und erst dann zu einer Entscheidung zu kommen. Das geht am besten zusammen mit einer professionellen Beraterin, zum Beispiel bei der Schwangerenberatung des Diakonischen Werkes, Alfred-Brehm-Platz 17, Telefon 439650.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Februar 2006 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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