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1. Februar 2010

„Jungen Reibungsfläche bieten“

p(einleitung). Tobias Möller engagiert sich in der evangelischen Jugendarbeit

Er hat grüne Gummiringe in den Ohrläppchen, auf seinen linken Unterarm ist eine Frau tätowiert, die Brille ist dick schwarz umrandet, und auf den Bügeln sind zwei winzige Totenköpfe abgebildet: Tobias Möller kann man nicht übersehen. Seit 15 Jahren arbeitet der 26-Jährige in der Frankfurter Gemeindejugendvertretung mit. Dort organisiert er die Parade der Kulturen und Jugendkirchentage mit und unterstützt Demonstrationen gegen Rechtsradikalismus.

!(rechts)2010/02/seite02_oben.jpg(Tobias Möller ließ sich vor seiner New York-Fototapete ablichten. Der 26-Jährige wohnt im Gallusviertel und macht seit 15 Jahren Jugendarbeit. | Foto: Rolf Oeser)!

Nach der Schule hat Tobias Möller eine Ausbildung zum Koch gemacht. Noch immer stehen in seinem Bücherregal Kochbücher von Tim Mälzer, Jamie Oliver und anderen jungen Köchen. Den Traum vom Profi-Koch musste Möller jedoch aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Jetzt studiert er Sozialarbeit an der Evangelischen Fachhochschule in Darmstadt. Gleichzeitig baut er einen Kinder-Hort in der Friedrich-List-Schule in Nied mit auf. Das sei eine gute Ergänzung zum Studium, das er für zu praxisfern hält. „Ich bin gut für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geeignet, weil ich sehr belastbar bin und vor allem Jungen eine Reibungsfläche biete“, erklärt Möller. „Sie wollen sich ja oft messen.“

Im Rat der Evangelischen Jugend ist Tobias Möller ebenfalls Mitglied und erarbeitet in der hessen-nassauischen Landeskirche zusammen mit anderen Konzepte für die Jugendarbeit. „In Frankfurt beschäftigen uns zur Zeit am meisten die Schwierigkeiten, die durch das Zusammenlegen der Gemeinden entstanden sind“, berichtet er. „Die Gemeindepädagogen, wenn es sie überhaupt noch gibt, haben weniger Zeit und wir leider nur wenig Nachwuchs.“ Möller hofft jetzt auf Jugendausschüsse, die in den Planungsbezirken, zu denen meist drei Gemeinden zählen, entstehen sollen.

Generell findet Möller, dass die Kirche ihre Ehrenamtlichen nicht genug würdigt. „Es gibt viele, die sehr viel Zeit opfern, und offiziell kommt nie etwas zurück. Dabei wäre die Kirche ohne ihre Ehrenamtlichen verloren. Sie sollte sich ein Vorbild an der Stadt nehmen: Die hat ja einen Ehrenamtstag eingeführt.“ Er selbst mache die Arbeit aber nicht, um gelobt zu werden, sondern weil sie ihm am Herzen liege. Außer in der politischen Arbeit ist er Teamer bei den „Tagen der Orientierung“ für Schulklassen, außerschulischen Bildungsfahrten, in denen es um Klassengemeinschaft und Zukunftsorientierung geht. Zudem leitet er Jugendferienreisen und bildet Ehrenamtliche dafür aus.

Begonnen hat Möller sein Engagement im Jugendtreff der Versöhnungsgemeinde im Gallus, der früher noch jeden Tag geöffnet hatte. Noch während der Ausbildung zum Jugendleiter wurde er aufgefordert, sich für die Ge­meindejugendvertretung aufstellen zu lassen. In die Kirchengemeinde hineingewachsen ist er aber schon als Kind: Möllers Vater war Vorsitzender des Kirchenvorstands der Versöhnungsgemeinde, die Mutter katholisch. „Ich bin aber erst mit acht Jahren getauft worden“, erzählt Möller, „meine Eltern haben mich gefragt, ob ich das wollte. Und automatisch konfirmiert worden bin ich auch nicht.“ Kirche sei für ihn vor allem die Begegnung mit anderen Gläubigen und Engagierten. Er identifiziere sich mit christlichen Werten und versuche, diese weiterzugeben.

p(autor). Stephanie von Selchow

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Februar 2010 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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