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Von – 1. Dezember 2010

„Modern aber nicht neumodisch“

In Sindlingen steht die evangelische Kirche mitten im alten Ortskern. Ein idyllischer Vorhof durchbricht die geschlossene Häuserreihe entlang der Sindlinger Bahnstraße und gibt den Blick frei auf das im neugotischen Stil erbaute Kirchengebäude. Die Kirche steht dort heute noch genau so, wie sie vor über hundert Jahren errichtet worden ist, und auch im Inneren hat sich wenig verändert: typische Holzbänke, bleiverglaste Fenster und Lampen, Fliesenboden und eine englische Holzdecke.

Pfarrer Ulrich Vorländer freut sich über das neue Gemeindehaus in Sindlingen – und darüber, dass das Konzept in der Gemeinde einstimmig angenommen wurde. Foto: Rolf Oeser

Die Menschen in Sindlingen seien glücklich mit ihrer Kirche, sagt Pfarrer Ulrich Vorländer: „So mögen wir das hier.“ Deshalb wurde beim Bau des neuen Gemeindehauses darauf geachtet, dass das Gebäudekonzept von der Gemeinde einstimmig angenommen wird. Auch wenn es dadurch etwas länger gedauert hat. „Modern, aber nicht neumodisch“ sei das Motto, und so passt das neue Gemeindehaus ins Erscheinungsbild. Bei den Sindlingern kommt das gut an. Der Stadtteil im Frankfurter Westen hat sich seine dörfliche Atmosphäre erhalten, hier kennt man sich, weiß um die Bedürfnisse der anderen. „Die Gemeinde ist im Lebensumstand der Menschen beheimatet. Die Kirche im Dorf sozusagen“, beschreibt es Vorländer.

Der Gemeindealltag ist geprägt von regelmäßigen Ereignissen wie Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung: Das ist es, was die Menschen hier von ihrer Kirche erwarten. Dafür sind sie aber auch bereit, sich ehrenamtlich einzubringen und auf diese Weise etwas zurückzugeben. Töpfer- und andere Kreativkurse, Seniorenclubs, Flötenkreis, all das wird von Ehrenamtlichen angeboten.

Größere Projekte wie die Kinderbibelfreizeit oder der jährliche Gemeindeausflug mit Senioren und Seniorinnen zählen da schon eher zu den Höhepunkten im Gemeindeleben. Der Kindergarten ist vor wenigen Jahren aufwändig kernsaniert worden und bietet jetzt 63 Kindern einen Betreuungsplatz in offenen Gruppen. Er ist eng in das Gemeindeleben eingebunden, so tragen die Kinder zum Beispiel häufig etwas zum Gottesdienst bei.

„Während es noch vergleichsweise einfach ist, interessante Angebote für Kinder zu machen, ist dies für Jugendliche wesentlich schwieriger“, erzählt Vorländer. Die Jugendlichen seien aber größtenteils in die verschiedenen Vereine im Ort integriert. Und auch hier wird gute Kontaktpflege betrieben. So gibt es keinen eigenen Gemeindechor, da in Sindlingen mit der „Germania“ bereits ein großer Gesangsverein ansässig ist und zusätzliche Angebote überflüssig wären.

Die Gemeinde erlebt auf diese Weise einen großen Zusammenhalt, was auch mit der geringen Fluktuation im Stadtteil zu tun hat: Hier wohnen die Menschen über Jahrzehnte. Etwas anders verhält es sich mit den großen Siedlungsbereichen, die Sindlingen über seine Grenzen hinaus etwas in Verruf gebracht haben. „Hier gibt es natürlich viele neu Zugezogene, die sich nicht mit dem Stadtteil identifizieren können“, erläutert es der Gemeindepfarrer. Doch das tue dem Gemeindeleben keinen nennenswerten Abbruch. „Wer sich einbringen möchte, bringt sich ein.“

In den 13 Jahren, die er nun schon in der Gemeinde als Pfarrer tätig ist, habe sich vieles verändert. Längst fällige Renovierungsarbeiten wurden endlich durchgeführt und verhalfen der Gemeinde zu einer zeitgemäßen und zugleich bodenständigen Ausstattung. Vieles sei aber auch einfach so geblieben wie es immer war. Und das sei auch gut so.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Dezember 2010 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Sara Wagner ist Mitglied der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt" und Studentin der Kulturwissenschaften.

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