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Von – 1. Juni 2011

Ehrenamt ohne Selbstaufgabe

Daniela Träber engagiert sich in der Philippusgemeinde

Foto: Ilona Surrey

Mit 25 Jahren ist Daniela Träber die Zweitjüngste im Kirchenvorstand der Philippusgemeinde im Riederwald. Als die regelmäßige Gottesdienstgängerin vor drei Jahren zur Mitarbeit aufgefordert wurde, hatte sie zunächst Bedenken: Sie soll die Gemeinde leiten? Diese Verantwortung übernehmen? Heute sagt sie, dass man tatsächlich mit den Aufgaben wächst. Und man sei im Kirchenvorstand ja auch nicht alleine.

Um sich einzuarbeiten, belegte Träber einen Intensivkurs für neue Kirchenvorsteherinnen und -vorsteher. „Wenn ich etwas mache, dann richtig“, sagt sie. Oft gehe es in den Sitzungen erst einmal darum, sich ein genaues Bild über eine Sachlage zu verschaffen. Deshalb stelle sie Fragen, aus denen oft Diskussionen entstünden. Auf dieser Grundlage könnten schließlich alle besser entscheiden. Bedenken, sich für dieses Ehrenamt zu entscheiden, hatte Träber ursprünglich auch wegen ihrer knapp bemessenen Zeit. Als Altenpflegerin arbeitet sie im Schichtdienst und darf sich im Monat nur drei feste Termine wünschen, an denen sie ganz sicher frei hat: Einen davon für die Kirchenvorstandssitzung herzugeben, bedeutet, dass sie auf anderes verzichten muss. „Es ist aber eben auch schön, über die Entwicklung der Gemeinde mit zu entscheiden“, begründet sie ihre Entscheidung.

Die Kirche war Daniela Träber schon immer vertraut. Ihre Großmutter brachte den Glauben ins Alltagsleben, in der Grundschule wurde sie von einem evangelischen Pfarrer unterrichtet und hatte auf der Realschule einen interessanten Religionslehrer. Jetzt ist sie im Kirchenvorstand maßgeblich an der Gottesdienstvorbereitung beteiligt und weiß genau, was in der Kinder- und Jugendarbeit läuft.

Und sie bildet sich ständig weiter: Kürzlich hat sie sich darüber informiert, was Seelsorge eigentlich bedeutet, hat Seminare über Kommunikation und Fundraising besucht. „Einige Details, die man da lernt, sind den anderen im Kirchenvorstand auch noch neu“, erklärt sie. Es gibt aber auch Themen, die sie eher den anderen überlässt, etwa die Jahresendabrechnung. Und an zusätzlichen Ausschusssitzungen will sie auch nicht teilnehmen.

Grenzen ziehen zu können, ist für Daniela Träber wichtig. Seit Oktober arbeitet sie im Evangelischen Hospiz im Rechneigraben, wo Menschen in den letzten Wochen vor dem Tod betreut werden. Dort gehe es darum, empathisch zu handeln, die Sorgen und Nöte anderer aber nicht auf sich selbst zu übertragen. Konfrontiert mit dem Tod nicht nur von alten, sondern auch von jungen Menschen, müsse man mit Wut, Zorn und Entsetzen umgehen. Dabei helfen ihr die Supervision im Hospiz, aber auch ein „inneres Gespräch mit Gott”.

Vorbild im Glauben ist ihre Oma. „Der Herrgott wird es schon schaffen“, habe sie immer gesagt. „Durch meine Arbeit als Altenpflegerin und jetzt auch im Kirchenvorstand sind mein Glaube und meine Kenntnisse über das Christsein gewachsen“, sagt Träber. Kraft gebe ihr auch, in der Gemeinde gemeinsam mit anderen zu beten und den Segen zu empfangen. „Aber manchmal frage ich Gott: Wo ist die Grenze der Nächstenliebe?“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Juni 2011 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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