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Von – 26. August 2011

Stefan Majer: Faible für schöne Liturgien

Der neue Frankfurter Verkehrsdezernent ist auch Mitglied im Vorstand des Regionalverbandes

Foto: Rolf Oeser

„Wenn man mit Lutz Sikorski auf dem Paulsplatz gesessen hat, und es bat jemand um Geld, hat er immer einen Euro gegeben. Gefragt, warum, war seine Antwort: Weil ich weiß, dass mein Leben auch hätte anders verlaufen können.“ Diese Haltung seines Vorgängers habe ihn immer sehr beeindruckt, sagt Stefan Majer, der neue Frankfurter Verkehrsdezernent. Auch er kennt sich aus mit der Schattenseite des Lebens: Vor seinem Amtsantritt arbeitete er zuletzt beim Frankfurter Verein für soziale Heimstätten mit ehemaligen Drogenabhängigen.

Anders als Sikorski, der für seine kirchenkritische Haltung etwa in Sachen Sonntagsschutz bekannt war, ist Majer engagierter Christ. Er hat Theologie studiert und ist seit gut einem Jahr im Vorstand des Evangelischen Regionalverbandes, also in jenem elfköpfigen Gremium, das die Geschicke der evangelischen Kirche in Frankfurt maßgeblich lenkt.

Dass Majer trotz abgeschlossenen Studiums nicht Pfarrer wurde, hat verschiedene Gründe. Einer ist der Brief, den ihm die Württembergische Landeskirche – zu der er als gebürtiger Tübinger gehörte – Ende der 1980er Jahre schickte: Man gehe davon aus, dass er doch sicher nicht an einer Anstellung interessiert sei. Beigelegt einige unterstrichene Passagen aus Veröffentlichungen Majers zum Thema Homosexualität.

Er habe damals einen Wechsel zur liberaleren hessen-nassauischen Landeskirche erwogen, was aber dann doch nicht möglich war, erzählt Majer. Stattdessen stieg er hauptberuflich bei der Frankfurter Aids-Hilfe ein, die er mit gegründet hatte. Er bildete sich in klinischer Seelsorge fort und baute einen ambulanten Pflegedienst auf. „Was ich dort machte, war gewissermaßen säkulare Seelsorge, es ging viel um Angehörigenbetreuung, oft wurde ich auch gebeten, Trauerfeiern zu gestalten.“

Umso mehr freute es ihn, als er voriges Jahr gefragt wurde, ob er für den Vorstand des Evangelischen Regionalverbandes kandidieren will. Denn der Kirche war er immer verbunden geblieben. In den 1990er-Jahren war Majer im Kirchenvorstand der Paulsgemeinde, heute gehört er zur Hoffnungsgemeinde im Gutleutviertel, wo er mit seinem Freund wohnt. Sonntags geht er oft in den Gottesdienst, nicht immer in den evangelischen, denn sein Freund ist katholisch. „Ich habe einfach das elementare Bedürfnis, nach einer Woche voller Verantwortung Kraft zu tanken.“ Außerdem habe er „ein Faible für schöne Liturgien und ansprechend gestaltete Kirchenräume“.

Die Verbindung zur Religion verdankt Majer seiner Mutter. Täglich wurden zuhause die Losungen gelesen, oft Kirchenlieder gesungen. Das sei „gelebte Volksfrömmigkeit“ gewesen, nicht pietistisch, sondern bildungsbürgerlich interessiert. Aber auch konservativ. Mit der Homosexualität des Sohnes habe sich die Mutter nur schwer abfinden können – aus religiösen Gründen.

Politisches Engagement und Christentum gehören für Majer untrennbar zusammen. Kommunalpolitisch ist er seit Jahren bei den Grünen. Im Regionalverband arbeitet er in der Strukturkommission mit. Dabei wünscht er sich, dass kirchliche Reformprozesse konsequenter angegangen werden. „Es wäre schön, wir würden mal nicht nur einen, sondern gleich zwei oder drei Schritte tun, um den Rücken wieder frei für die eigentlichen Themen zu bekommen.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 26. August 2011 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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