Hinweis

Diese Website wurde am 28. November 2017 archiviert. Neues Online-Angebot: Evangelische Kirche in Frankfurt.

Aktuell

Von – 14. Mai 2012

Feridun Zaimoglu und Zsuzsa Bánk über „Wunder“

Eingerahmt von alten Meistern saßen die Zuhörerinnen und Zuhörer, lauschten den Lesungen und wandten ihren Blick immer wieder einem Bild zu: Es zeigte die Bekehrung des heidnischen Fürsten Bergamo, dem seine Tochter wie eine Lichtgestalt das abgeschlagene Haupt eines Märtyrers zeigt. Blumen sprießen aus der Schädeldecke, und der Fürst kann nicht anders, als angesichts dieses Wunders seinen Blick zum Himmel zu wenden.

„Wunder“ waren auch das Thema des Abends, zu dem die EKHN- Stiftung eingeladen hatte. Viele waren gekommen, so viele sogar, dass der Raum im Städel-Museum mit 180 Plätzen fast zu knapp bemessen schien.

Wunder als nicht fassbare Geschehnisse, sich ereignend angesichts des Schrecklichen: „Ist das nicht ein Aspekt des Wunders, der oft unterschlagen wird?“, fragte Moderator Alf Metzner die beiden Gäste, die Schriftstellerin Zsuzsa Bánk und ihren Kollegen Feridun Zaimoglu.

„Das Wundersame ist im Leben oft schwer entzifferbar, weil man sich viel zu sehr mit Geschwätz aufhält“, sagte Zaimoglu. Aber sein persönliches Wunder habe er dennoch erlebt, als nämlich seine Mutter aus einem Gefühl der Unbehaglichkeit heraus Plätze in einem Bus tauschte. Da waren sie gemeinsam auf einer Reise in der Türkei, und diese Reise endete mit einem schrecklichen Unfall, den sie nur dank des Platztauschens glimpflich überlebten. „Im lodernden Kern des Wunders ist immer eine schreckliche Begebenheit“, war Zaimoglus Erkenntnis.

Als mitschwingendes Heilsversprechen angesichts des allgegenwärtigen Todes beschrieb Autorin Zsuzsa Bánk ihren Zugang zum Wunder. Sie las die Erzählung „Birkenwald“, in der nichts Dramatisches passiert, nichts Schreckliches und auch kein offensichtliches Wunder. Aber ein Mann pflanzt einen Birkenwald in seinem Garten, und dessen Zauber legt sich wie ein Schutzmantel über das Leben seiner Familie.

Wunder müssen also nicht immer göttliche Inszenierungen sein, wie es der Maler Battista Tiepolo so meisterhaft in seinem Gemälde „Die Heiligen der Familie Grotta“ dargestellt hat, sondern sie können auch im Alltag mitschwingen.

Die Texte von Zsuzsa Bánk, Feridun Zaimoglu und anderen sind in dem Sammelband „Wunder“ bei der edition chrismon erschienen. „Evangelisches Frankfurt“ verlost unter allen Interessierten drei Exemplare; zur Teilnahme einfach Mail, Fax oder Postkarte schicken (Adressen im Impressum).

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 14. Mai 2012 in der Rubrik Kultur, erschienen in der Ausgabe .

Artikel teilen: E-Mail Facebook Twitter Google+

Meistgelesene Artikel