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Von – 28. Juni 2013

Hessische Kirche prescht vor

Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hat eine neue „Lebensordnung“ beschlossen: Unter anderem wurden die Bestimmungen zu Taufe, Trauung und Bestattung neu geregelt.

Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau beschloss neue Regelungen unter anderem für Taufe, Trauung und Bestattung. Foto: ekhn, Volker Rahn

Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau beschloss neue Regelungen unter anderem für Taufe, Trauung und Bestattung. Foto: ekhn, Volker Rahn

Die Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften wird der Ehe zwischen Mann und Frau fast gleichgestellt, Kinder können jetzt auch ohne evangelische Paten oder Patinnen getauft werden, bei Trauerfeiern kommen die Musikwünsche der Angehörigen stärker zum Zuge, religiöse Feiern zusammen mit anderen Religionen werden befürwortet, und  Nichtmitglieder sollen ausdrücklich zu Veranstaltungen eingeladen werden: Das sind einige der Veränderungen in der neuen „Lebensordnung“ der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, die die Synode, das Kirchenparlament, bei einer Sondersitzung im Juni beschlossen hat. Die neue Lebensordnung kann als PDF im Internet heruntergeladen werden.

Die neue Ordnung ersetzt Regelungen, die größtenteils noch aus dem Jahr 1962 stammen. „Es ist permanent nötig, sich den gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen, sie biblisch-theologisch zu klären, um dann daraus Folgerungen für die eigene Arbeit zu ziehen“, erklärte Kirchenpräsident Volker Jung. Vorausgegangen war dem Beschluss ein jahrelanger Diskussionsprozess, an dem sich neben einer Kommission der Kirchenleitung und den Ausschüssen der Synode auch Universitätstheologinnen und -theologen sowie Gemeinden, Dekanatssynoden und Pfarrkonvente beteiligt haben.

Bei der Lebensordnung handelt es sich um einen Leitfaden für die Praxis in den Gemeinden. Sie ist durchaus verbindlich, hat aber keinen Gesetzesrang, denn in der evangelischen Kirche sind die einzelnen Gemeinden für ihre Arbeit weitgehend selbst verantwortlich. Gleichwohl ist das Papier von großer Bedeutung, weil sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau darin deutlich progressiver positioniert als viele andere Landeskirchen in Deutschland.

Das gilt besonders für die akzeptierende Haltung zur Homosexualität. So können in Hessen und Nassau lesbische und schwule Lebenspartnerschaften nun auch in den Kirchenbüchern eingetragen und beurkundet werden. Allerdings gibt es in manchen Gemeinden weiterhin Vorbehalte, weshalb das Wort „Trauung“ offiziell immer noch für die Ehe zwischen Mann und Frau reserviert bleibt – dieser Punkt soll in der Synode aber weiter beraten werden.

Doch auch bei den anderen Themen zeigt sich das Bemühen, anschlussfähig an aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu bleiben, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und die eigene Praxis selbstkritisch daraufhin zu prüfen, ob sie den Erfordernissen der Gegenwart noch gerecht wird. Dabei will die Ordnung „kein Gesetzbuch für alle Einzelfälle der Gemeindearbeit sein“, erläuterte Kirchenpräsident Jung, sondern „zur sensiblen Wahrnehmung und verantwortlichem Handeln“ anregen.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 28. Juni 2013 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe , .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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