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Von – 4. Juli 2013

„Es ist eben doch Kirche“

Klassische Gottesdienste sind für Jugendliche oft uninteressant. Lässt sich das durch eine spezielle Ansprache ändern? Mit dieser Frage im Hinterkopf besuchte Jan Göbel im Auftrag der Redaktion den Sonntags-Gottesdienst in der Jugendkulturkirche Sankt Peter

Jan Göbel beim Sonntagsgottesdienst in Sankt Peter mit Pfarrer Rasmus Bertram. Foto: Rolf Oeser

Jan Göbel beim Sonntagsgottesdienst in Sankt Peter mit Pfarrer Rasmus Bertram. Foto: Rolf Oeser

Der 14-Jährige Jan Göbel ist im Mai konfirmiert worden, kennt also zum Vergleich auch den normalen Gemeindegottesdienst. Hier sein Bericht:

Der Gottesdienst in Sankt Peter war eher für jüngere Leute gemacht. Die Abläufe waren lockerer als in einem normalen Gottesdienst. Der Pfarrer hat frei gesprochen, mit seinen eigenen Worten, anstatt genau die vorgeschriebenen Sachen zu sagen, bis natürlich auf die Texte, die er aus der Bibel vorgelesen hat. Er hatte auch nicht dieses schwarze Kleid, den Talar an, sondern ein normales Hemd. Die Lieder haben wir nicht gesungen, wie sonst im Gottesdienst, sondern sie kamen vom CD-Player. Das war schon ein bisschen ansprechender als die normalen Kirchenlieder. Die Texte haben zum Thema gepasst, es war aber eher Popmusik.

Dann ging es ums Abendmahl. Zuerst hat der Pfarrer uns erklärt, was der Hintergrund davon ist. Gott hat zu Mose gesagt, dass er den Leuten damals, ich glaube, das waren die Juden, die Botschaft überbringen sollte, dass sie ihre besten Lämmer schlachten sollen und mit Kopf und Schenkeln und allen Innereien braten. Die sollten sie ganz schnell aufessen und das, was übrig bleibt, verbrennen. Das Blut von den Lämmern sollten sie an ihre Türrahmen schmieren, denn in der Nacht wollte Gott rumgehen und alle erstgeborenen Söhne und Tiere töten, nur die, bei denen Blut am Türrahmen ist, wollte er verschonen. Und morgens sollten sie dann bereit sein mit allen ihren gepackten Sachen und Wanderstöcken und so weiter, damit sie abreisen können.

Dabei hat der Pfarrer uns auch ein paar Fragen gestellt, aber die waren so schwer, die konnten wir nicht beantworten. Er hat uns erzählt, dass das Abendmahl im Stehen gefeiert wird, weil man eben schon aufbruchsbereit ist und schnell fliehen kann wie damals. Als Jesus beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern das Brot und den Wein verteilt hat, war er auch wie so ein Lamm, und wenn wir den Wein trinken, sind wir von ihm gekennzeichnet und werden auch von Gott verschont. Das mit dem Lamm fand ich interessant, das hatte ich vorher nicht gewusst, woher das kommt und was der Ursprung ist.

Der Pfarrer hat uns auch noch ein Blatt Papier gegeben und gefragt, wie viel das wohl wert ist. Natürlich weniger als ein Cent. Dann hat er uns in genau der gleichen Größe einen Fünfzig-Euro-Schein gezeigt, und der ist halt fünfzig Euro wert. Aber nur, weil wir Menschen das so verabredet haben. Das ist ein Symbol, und deshalb ist der Schein mehr wert als das Papier selber. Und so ist das auch mit der Oblate und mit dem Wein oder Traubensaft beim Abendmahl: Das ist für sich genommen auch weniger wert, als wenn es ein Symbol für Jesus ist.

Wir haben dann selbst Abendmahl gefeiert, das heißt, wir sind nach vorn gegangen und der Pfarrer hat uns die Oblate gegeben und dann zu trinken, das war Traubensaft. Und nach dem Abendmahl haben wir das Vaterunser gebetet und dann wieder ein Lied gehört, dann haben wir, glaube ich, nochmal gebetet, und dann war es vorbei.

Ob ich da nochmal hingehen würde, weiß ich nicht – warum eigentlich nicht? Für mich war es schon irgendwie ansprechend, aber es war eben doch Kirche. Also, wenn meine Mutter sagen würde: Geh doch mal am Sonntag in die Kirche, und dann dürfte ich es mir aussuchen, würde ich wahrscheinlich eher dahin gehen, als zu uns in die Gemeinde. Aber meistens mache ich sonntags was ganz anderes. Besonders wenn schönes Wetter ist, ist man halt lieber draußen, oder man will sich auch mal ausruhen.

Mir hat gut gefallen, dass der Gottesdienst nicht so strikt runtergearbeitet war. Der Pfarrer hat uns angeschaut und Fragen gestellt, das war viel persönlicher. Aber vielleicht lag das auch daran, dass wir so wenige waren. Sonst im Gottesdienst ist es oft schon ziemlich langweilig: Erst wird gesungen, dann irgendwas geredet. Auf jeden Fall war der Gottesdienst in Sankt Peter gut gemacht. Es muss ja schon auch etwas Ernstes dabei sein, man kann ja nicht einfach nur Spiele spielen.

So direkt für den Alltag gebrauchen kann man das eher nicht. Höchstens denke ich manchmal, dass es Gott gibt, und dass mir deshalb nichts passiert und schon alles gut wird, weil Gott mir hilft. In meiner Klasse sind einige evangelisch und einige katholisch, und dann gibt es auch einige, die eher nicht glauben und denken, das ist doch alles Quatsch, und manche sind auch Muslime. Aber dass es da zwischen uns im Alltag irgendeinen Unterschied gibt, finde ich eigentlich nicht. Das spielt keine Rolle.

Zum Weiterlesen: Gottesdienste für Jugendliche – Interview mit Pfarrer Rasmus Bertram.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 4. Juli 2013 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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