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Von – 28. Oktober 2013

Überfordert? Ja bitte!

Die Kirche von morgen wird eine Kirche der Freiheit sein. Und das Befreiendste an ihr: Für Sichtbarkeits-Fetischisten wird sie verschwunden sein.

Die Reformation ist eine Medizin. Für wen? Für die Müden und Fertigen. Denn sie stiftet dazu an, nicht fertig zu werden. Kein Kardinal, keine Pfarrerin, weder Regionalbischöfin noch spiritueller Trainer können deshalb einen Menschen und sein Hoffen fertig machen. Selbst der Interregional-Bischof kann es nicht, falls das Amt demnächst begründet werden sollte.

Denn ohne Freiheit wäre alles Glauben nicht wahrhaftig. So wird die Kirche von morgen eine Kirche der Freiheit sein. Und das Befreiendste an ihr: Für Sichtbarkeits-Fetischisten wird sie verschwunden sein. Sie steht auf keinem Papier, ist kein Gebäude, auch nicht die Summe aller kirchlichen Gebäude. Denn Freiheit ist nicht begrenzbar, greifbar und berechenbar. Merkwürdig aber ist diese Kirche schon, da eine ihrer schönsten Eigenarten die Verwirrung ist. Das aber ist erst der Anfang der Verzauberung.

Fortan wird niemand mehr erklären, wie Glaube oder Gott denn genau auszusehen hätten. Denn der Anfang der Freiheit ist zugleich das Ende des Besserwissens. Und endlich einmal ist klar: Beim Glauben geht es nicht um eine amtlich erlassene oder wie auch immer zu diskutierende Klarheit. Sondern?

Es ist ein Aufbruch, der aus der Not geboren ist. Eine Suche nach Trost, die sich von keinem Regularium einer wie auch immer gearteten religiösen Verwaltungseinheit einschränken lässt. Selbst dann nicht, wenn deren sogenanntes Leitbild im vielfach gerühmten Entwurf eines habilitierten Forschers für reformatorisch inspirierte Freiheitskunde wurzeln würde.

Rhön (c) Foto von Georg Magirius

Wohin? Das wissen nur jene, sie sich niemals wundern. Foto: Georg Magirius

Nein! Der Trostsüchtige hält sich an nichts, sondern geht los – aufrecht und mit freien Händen. Aber wohin? Wer weiß das schon. Denn Freiheit bedeutet Überforderung. Und niemand fühlt sich mehr berufen, diese Überforderung als individualistisch oder heillos zu charakterisieren, weil sie nämlich heilsam ist.

Denn ohne Freiheit gäbe es kein Suchen. Und ohne Suchen gäbe es kein Finden. Das aber verwirrt den Menschen, sodass er sich zu wundern beginnt. Und erst dann, wenn er überfordert, verwirrt und verwundert ist, wird sich ihm das einzige Kriterium schenken, das nach Luther die Freiheit einschränkt und vollendet: die Liebe. –

Von Georg Magirius erschienen:  Traumhaft schlägt das Herz der Liebe – ein göttliches Geschenk, Echter Verlag Würzburg 2013.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 28. Oktober 2013 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Georg Magirius ist Theologe und Schriftsteller und Kolumnist bei "Evangelisches Frankfurt". Mehr unter www.georgmagirius.de.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Ina Neitzel schrieb am 2. Dezember 2013

    ich habe mir ihren bericht durchgelesen und fand in sehr gut..ich bewundere ihre Arbeit