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Von – 2. Mai 2016

Gerechtes Sprechen

„Café Klartext“ mit Antje Schrupp über feministische Sprachkritik

Die Ignoranz gegenüber einer geschlechtergerechten Sprache entpuppt sich bisweilen als überaus kontraproduktiv. Beim „Café Klartext“ im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum zeigte die Journalistin Antje Schrupp das am Beispiel eines Ratgebers für Geflüchtete. Der betone zwar einerseits, dass Frauen in Deutschland gleichberechtigt sind, liste andererseits aber mit Ausnahme der Krankenschwester alle Berufe nur in der männlichen Form auf.

Was insgesamt die Diskussion um eine geschlechtergerechte Sprache anbelangt, bedauert die Publizistin und Redakteurin von „Evangelisches Frankfurt“, dass das Bemühen inzwischen deutlich nachgelassen habe. Zugleich riet sie aber davon ab, deren Verwendung mit erbittertem Ernst voranzutreiben. Sie bevorzuge einen spielerischen Umgang, der Raum zum Ausprobieren und Experimentieren gewährt.

In ihren eigenen Texten verwendet Antje Schrupp mal die weibliche, mal die männliche Form und setzt bei längeren Abhandlungen den Unterstrich ein. Der verdränge ohnehin immer mehr das vor allem von älteren sprachbewussten Menschen präferierte „große I“. Jüngere würden also statt „LeserInnen“ meist „Leser_innen“ schreiben.

Für die große Mehrheit gelte aber nach wie vor: Wenn es um gemischtgeschlechtliche Gruppen geht, wird das generische Maskulinum gewählt. Dabei ist die Behauptung, bei der männlichen Pluralform würden Frauen automatisch mitgedacht, ihrer Erfahrung nach schlichtweg falsch. Die Politikwissenschaftlerin versteht zwar, dass oftmals stilistische Gründe einer geschlechtergerechten Sprache im Wege stehen. Dennoch hält sie es für „wichtig, weiterhin daran zu arbeiten“. Zumal etliche Studien belegten, wie stark die Sprache das Denken und Handeln bestimmt. Würden etwa Kindern Berufe geschlechtergerecht vorgestellt, seien Mädchen eher bereit, typische Männerberufe zu ergreifen.

Sprache sei ständig im Wandel und letztlich auch eine Gewohnheitssache, sagt Antje Schrupp, „ein Aushandlungsprozess der Menschen, die sie benutzen“. So sei auch offen, wie mit historischen Texten umgegangen werden soll, die aus heutiger Sicht problematische Sprache benutzen. Eine gelungene Lösung sei zum Beispiel, dass in den neu aufgelegten Ausgaben von Pippi Langstrumpf aus dem vormaligen „Negerkönig“ ein „Südseekönig“ gemacht wurde.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 2. Mai 2016 in der Rubrik Kultur, erschienen in der Ausgabe .

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Werner schrieb am 2. Mai 2016

    Grundsätzlich ist beides gut: Elektriker und Elektrikerin
    Das die männliche Berufsbezeichnung dominiert ist der Geschichte zu verdanken. In Freiheit hat jeder Denker und Sprecher allemal die Deutungshoheit über seine Worte, – darauf kommt es mE an.

    Schon darum ist dann die Idee, die weiblichen Berufsbezeichnungen einzubringen, nicht schlecht. Es wird aber die klassische Sprache durch neue Ideen nicht geschmäht oder verdrängt,
    weil es ja doch auf den Respekt ankommt.