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Von – 14. Juni 2017

Gelächter statt Glockenläuten: Ab Samstag an der Wartburgkirche

Zur ersten globalen Lachyogakonferenz in Frankfurt haben zwei Künstlerinnen an der Wartburgkirche eine Klanginstallation geplant: Alle Viertelstunde ist statt Glockengeläut schallendes Lachen zu hören. Der Pfarrer findet, das passt gut zu den Luther-Portraits, die am Kirchturm an das Reformationsjubiläum erinnern.

Die Wartburgkirche in der Hartmann-Ibach-Straße 108 wird bald nicht nur Luther-Portraits am Turm zeigen, sondern auch jede Viertelstunde den Stadtteil mit Gelächter beschallen. Foto: Stefan Schubert

Wie sich das Erscheinungsbild Martin Luthers im Lauf seines Lebens gewandelt hat, ist durch die Produktivität der Cranachschen Kunstwerkstatt gut dokumentiert: Dem jungen Augustinermönch ist die Askese noch förmlich ins Gesicht geschrieben; auch dem bärtigen Rebell, der gerade den Wormser Reichstag aufgemischt hat, sieht man noch den spartanischen Lebensstil an. Den erfolgreichen Reformator begleitet dagegen eine beachtliche Leibesfülle, die er bis zum Ende bewahren wird.

Vier dieser Porträts hat die Wartburggemeinde auf großformatige Banner übertragen lassen und anlässlich des 55jährigen Jubiläums ihres Gotteshauses in den Öffnungen des frei stehenden Kirchturms in der Hartmann-Ibach-Straße 108 installiert. Schon seit Februar erregt diese vertikale Gemäldegalerie, die Luther in drei entscheidenden Lebensphasen sowie auf dem Totenbett zeigt, die Aufmerksamkeit – dank LED-Leuchten selbst in der Nacht. Gekrönt werden die Bilder von einer Replik jener berühmten Rose, die im Fenster der Erfurter Augustinerkirche zu finden ist und die der Reformator als Emblem seines Siegels auswählte.

„So haben nun also auch die Frankfurter ihr reformatorisches Turmerlebnis“, witzelt Pfarrer Thomas Diemer. Schon jetzt führt das zu vielen Gesprächen, aber eine geplante Aktion der beiden Künstlerinnen Carolyn Krüger und Brigitte Kottwitz dürfte den Gesprächsbedarf noch beträchtlich steigern: Vom 17. bis 25. Juni wollen sie den ernsten Gesichtsausdruck Luthers mit einer Klanginstallation akustisch konterkarieren: Statt des Glockengeläuts erschallt dann alle Viertelstunde ein herzhaftes Lachen vom Kirchturm.

Für Pfarrer Diemer steht das nicht in Widerspruch zu Luthers Person und Lehre. Lukas Cranach der Ältere habe dem Reformator zwar ein strenges Antlitz verpasst, um ihn gemäß der damaligen Darstellungsweise als aufrichtigen und glaubwürdigen Mensch zu präsentieren. In seinen Reden und Schriften habe Luther jedoch Humor bezeugt. Wo Lachen ist, da ist auch Frieden, sind sich Carolyn Krüger und Brigitte Kottwitz sicher. Sie haben schon wiederholt Kirchtürme zum Lachen gebracht, um „offensiv und unüberhörbar auf den inneren und äußeren Frieden aufmerksam zu machen“, wie sie sagen. „Lachen ist weltweit eine Friedensbotschaft, wenn man jemanden anlacht, bekommt man ein Lachen zurück“, sagt das Künstlerinnenduo. Der lachende Kirchturm symbolisiere diese Kraftquelle und lade zum Nachdenken und Mitmachen ein.

Anlass, erneut eine solche Installation für die Wartburgkirche zu planen – sie hatten den Kirchturm vor einigen Jahren schon einmal zum Lachen gebracht – ist für die beiden Künstlerinnen die erste globale „Lachyogakonferenz“, die vom 23. bis 25. Juni in Frankfurt stattfindet. Bei Pfarrer Diemer stießen sie mit ihrer Idee auf offene Ohren. Abgesehen von der „wunderbaren Ergänzung zu den ernsten Lutherporträts“ ist nämlich auch er von der friedenstiftenden Wirkung des Lachens überzeugt.

Deshalb lädt Diemer auch am Donnerstag, 22. Juni, um 17 Uhr vor die Wartburgkirche zu einem Friedensgottesdienst ein, zu dem auch die Teilnehmer_innen der Lachyogakonferenz kommen. Die veranstalten dann anschließend im benachbarten Günthersburgpark ein Picknick, zu dem ebenfalls alle Interessierten mit Lust aufs Lachen eingeladen sind.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 14. Juni 2017 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Friedrich Peter Niebling schrieb am 15. Juni 2017

    Alle fahnse midden Seeschelboot nur net de Luther der fäht midden kudder. So oder so! Steuern muss er allemal. Und wer hilft ihm dabei? Was ist seine Kraftquelle, um sich derart durch das heilige Buch zu steuern, dass er es als Steuergehilfe auf den Weg zur Heilung einsetzen kann? Heutzutage hätte er auch noch einen lachenden Kirchturm zur Verfügung. Diesem Turm stehen freilich Seen der Tränen gegenüber. Mit welchen Gefährt nun, und mit welchen Steuergehilfen –außer dem Finanzamt und einem lachenden Turm- werde ich bei mir stranden? Und zwar derart, dass ich als Friedensbotschaft, auch anderes bieten kann, als ein Lächeln. Nun gut! Es gibt ja noch den Humor. Und Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Trotz der Tränen? Trotz dieses skurrilen Aktes? Oder trotz der Freiheit, der Bevölkerung lautes Lachen zu verabreichen. Im Übrigen, wer täglich zehn Minuten lacht –so irgendwelche „Wissenden“ – der lebt länger. Dazu gibt es viele, viele Fernsehsendungen. ihnen gelingt es, dem -gelinde gesagt- Unwägbaren, Lachmuskeln zu entfesseln; wenn gleich sich da, was anderes entfesseln sollte.
    Friedrich Peter Niebling