Hinweis

Diese Website wurde am 28. November 2017 archiviert. Neues Online-Angebot: Evangelische Kirche in Frankfurt.

Aktuell

1. Dezember 2008

„Die Inge“ ist einfach immer da

p(einleitung). Seit sechzig Jahren ist Inge Lang in der Friedensgemeinde aktiv

!(rechts)2008/12/seite02_oben.jpg(Foto: Rolf Oerser)!

Geboren und aufgewachsen ist sie in der Frankenallee. Als sie zehn Jahre alt war, nahm ihre Mutter sie mit in den Chor der Friedensgemeinde – das war im Jahr 1948. Seither ist Inge Lang nicht nur dem Kirchenchor treu geblieben, sondern auch dem Gallusviertel und der Friedensgemeinde. „Das Gallus ist sehr schön“, erklärt die 70-Jährige. „Besonders wenn es im Frühling in den Vorgärten blüht und man spazieren geht.“ Genauso schlicht und überzeugend klingt es auch, wenn sie sagt: „Die Gemeinde liegt mir am Herzen.“

Inge Lang ist stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes und so etwas wie die rechte Hand von Pfarrer Nulf Schade-James. Die gelernte Kauffrau war zwanzig Jahre lang Einkäuferin für die Lebensmittelabteilung im Kaufhof, bevor sie ihre Tochter Christine bekam und später 15 Jahre als Gemeindesekretärin arbeitete. Jetzt im Ruhestand kümmert sie sich um die Finanzen der Friedensgemeinde. Sie berät etwa mit dem Pfarrer, ob ein Lebensmitteleinkauf für eine arbeitslose Familie oder Unterstützung für eine alte Frau drin ist. Sie ist im Kindergarten- und Gottesdienstausschuss und liebt es, zusammen mit Schade-James die Frauenhilfe zu leiten. Manchmal hält sie dann auch die Andacht.

Vor allem aber ist „die Inge“, wie sie in der Gemeinde heißt, einfach da. Sie wohnt im zweiten Stock des ehemaligen Pfarrhauses in der Fischbacher Straße, direkt über dem Gemeindebüro. Sie macht die Tür auf, wenn es abends um acht klingelt und jemand noch rasch eine Auskunft oder eine Hilfe braucht. Sie arbeitet im Gemeindebüro auf, was aus Zeitmangel liegen bleibt, oder sie assistiert dem blinden Organisten im Sonntagsgottesdienst. Und wenn Pfarrer Schade-James Urlaub macht, vertritt sie ihn bei manchen Sitzungen oder im Konfirmandenunterricht. „Der Pfarrer soll sich um Seelsorgerliches kümmern“, ist ihre Meinung dazu, „das Geschäftliche nehme ich ihm gerne ab.“

Organisieren liegt ihr. Wenn die Gemeinde feiert, Gemeindefeste, Fasching, goldene Konfirmation oder den Neujahrsempfang zusammen mit der katholischen Gemeinde, kauft sie dafür ein, findet andere Frauen, die die Einladungen verschicken, oder eine Männertruppe, die die Tische aufstellt. „Ohne Hilfe aus der Gemeinde wäre ich nichts“, sagt sie bescheiden.

Im kommenden Jahr steht das 100-jährige Jubiläum der Friedensgemeinde an, und auch das wird wieder viel Arbeit sein. Dankbar ist Inge Lang für ihren „ganz lieben Mann, der mich einfach machen lässt“, wie sie sagt. Und für ihren starken Glauben, der mit den Jahren gewachsen sei. „Ich liebe das, was ich tue“, sagt sie, „aber ohne Glauben ginge es nicht. Ich hoffe, dass ich das auch ausstrahle.“

Wenn Inge Lang einmal nicht für die Gemeinde da ist, geht sie mit ihrem Mann ins Theater oder in die Oper. Sie liest viel und kümmert sich oft um ihre beiden Enkelkinder. „Auch das ist etwas sehr Schönes.“ Nächstes Jahr wird sie sich wieder zur Wahl für den Kirchenvorstand aufstellen lassen. „Das wären dann noch sechs Jahre“, sagt sie und ist entschlossen, danach, mit 77 Jahren, endgültig mit der Vorstandsarbeit aufhören. Ehrenamtlich für die Friedensgemeinde da sein, will sie aber, solange sie kann. „Das hält mich ja auch fit. Wie oft ich hier alleine am Tag die Treppe rauf und runter laufe!“ Inge Lang strahlt übers ganze Gesicht. Und dann schenkt sie noch einmal Kaffee aus.

p(autor). Stephanie von Selchow

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Dezember 2008 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

Artikel teilen: E-Mail Facebook Twitter Google+