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Von – 1. Oktober 2010

„Etwas bewirken und nützlich sein“

Michael Grötsch sieht im Ehrenamt einen Ausgleich zum Alltag

„Ehrenamt“, das klingt in den Ohren vieler Leute nach Verpflichtung, Mehrbelastung und Opfer Bringen. Michael Grötsch sieht das anders. Als er vergangenes Jahr gefragt wurde, ob er für den Kirchenvorstand der Gemeinde Fechenheim kandidieren wolle, kam ihm das sogar sehr gelegen. Schon seit einigen Jahren hatte er keine ehrenamtlichen Aufgaben mehr übernommen, „viel zu lange“, wie er findet. Doch sein Job als Unternehmensberater ist reise- und zeitintensiv, und so war das ehrenamtliche Engagement eine Zeit lang auf der Strecke geblieben. Dabei betrachtet der 36-Jährige ehrenamtliches Engagement auch als Ausgleich: „Hier kann ich meine soziale Energie einbringen, für die es ansonsten mitunter keine adäquaten Ventile gibt.“ Das Bedürfnis, „anderen zu helfen, etwas zu bewirken, nützlich zu sein“ treibt ihn an.

Foto: Rolf Oeser

In seiner Kirchengemeinde konnte Grötsch schnell überzeugen: Die Wahl in den Kirchenvorstand gelang auf Anhieb, dabei war der ursprünglich aus der Nähe von Nürnberg stammende Franke erst vor kurzem nach Fechenheim gezogen. Hier lebt er mit seiner Frau und zwei Katzen in einer kleinen gemütlichen Wohnung im Nordbezirk.

Zur ehrenamtlichen Arbeit fand er schon früh. Als begeisterter Teilnehmer an Zeltlagern begann Grötsch bereits mit 14 Jahren, sich in der Jugendarbeit seiner Gemeinde zu engagieren, absolvierte auch die zweijährige Ausbildung zum Jugendleiter. Heute wieder Jugendarbeit zu machen, kann er sich aber nicht vorstellen: „Ich bin da schon zu lange raus, da verliert man schnell den Zugang.“ Die Arbeit im Kirchenvorstand macht ihm viel Spaß, auch wenn er sich zu Beginn in seinem Tatendrang etwas zurücknehmen musste: „Ich musste Geduld lernen mit Themen, Menschen, Pfarrern, und Diplomatie üben“, erzählt er schmunzelnd. Doch sein spezielles Steckenpferd hat sich schon herauskristallisiert: Michael Grötsch ist studierter Umweltingenieur, kein Wunder, dass es ihm da das Thema Ökologie besonders angetan hat.

Sein Fachwissen möchte er auch in die Gemeinde einbringen. Dass die Glaubenskirche bereits eine Photovoltaikanlage hat, freut ihn. Aber auch übergemeindlich engagiert er sich in seinem Fachgebiet: Seit letztem Jahr sitzt er im Ausschuss für Ökologie und Nachhaltigkeit des Frankfurter Kirchenparlaments. Hier soll ausgearbeitet werden, wie die Vorgabe „Reduzierung der CO2-Emission“ konkret in den Gemeinden umgesetzt werden kann.

Dass Michael Grötsch seine ehrenamtliche Tätigkeit gerade in einer Kirchengemeinde wieder aufnimmt, ist nicht bloß Zufall. Der Glaube ist ihm wichtig, und sonntags den Gottesdienst zu besuchen selbstverständlich. „Für mich hat der Gottesdienst einen meditativen Aspekt, er vermittelt mir Wohlwollen, Ruhe, Gottes Segen. Vor allem aber sind die Botschaften der Predigten meistens sehr anregend, man nimmt dann etwas aus dem Gottesdienst mit nach Hause.“ Seine Aufgabe sieht er auch darin, darauf zu achten, ob die Botschaften des Gottesdienstes „gemeindegerecht“ vermittelt werden. Ein Kirchenvorsteher sollte seiner Ansicht nach Vermittler sein zwischen Pfarrer und Gemeinde. Er würde sich dabei manchmal noch ein wenig mehr Offenheit wünschen: „Statt Angst vor Veränderungen zu haben, sollten Pfarrer diese als Chance sehen.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Oktober 2010 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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Sara Wagner ist Mitglied der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt" und Studentin der Kulturwissenschaften.

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