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Von – 26. August 2011

Maria entdecken

Neue Reihe „Kunst und Religion“

Maria ist nicht nur Christusgebärerin, sondern auch Gottesgebärerin, weil Christus wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich ist. So wurde es zumindest 431 auf dem Konzil von Ephesus festgeschrieben. Danach „boomte“ die Marienverehrung. Maria war die erste Heilige, die überhaupt dargestellt wurde: Im frühen Mittelalter sitzend, mit einem Christus auf dem Schoß, der wie ein kleiner Erwachsener aussah, eroberte sie im späteren Mittelalter mit kindlichem Jesus ihren festen Platz in den Kirchen, wurde sogar oft deren „Hausherrin“, wie beispielsweise in Notre Dame in Paris.

Auch Tilman Riemenschneider schuf viele Madonnen. Eine davon im Jahr 1520, also zur Zeit der Reformation: Diese große Maria aus grauem Sandstein wurde für eine Außenseite des Neumünsters in Würzburg entworfen und ist heute im Liebieghaus zu sehen. Die Mondsichel, auf der die Madonna steht, sowie ihr faltenreiches Gewand weisen auf ihren Status als Himmelskönigin hin, aber gleichzeitig ist sie auch ganz stolze Mutter, die aller Welt das Jesuskind präsentiert. Diese Nahbarkeit kam der Volksfrömmigkeit entgegen, die Maria als Mittlerin zwischen Gott und Mensch anrief.

Solche Zusammenhänge zur Marienverehrung erläuterten der Stadtkirchenpfarrer für das Museumsufer, David Schnell, und die Kunsthistorikerin Judith Hahner in der Reihe „Kunst und Religion“. Die Führungen, bei denen meist ein bestimmtes Werk im Mittelpunkt steht, finden abwechselnd im Städel und im Liebieghaus statt. „Aus dem Zusammenspiel, manchmal auch aus der Spannung zwischen Theologie und Kunstgeschichte ergeben sich abwechslungsreiche, spannende Führungen“, erklärt Schnell.

Martin Luther lehnte die Vermittlerfunktion Marias übrigens ab. Durch Christi Tod seien die Menschen von Gott angenommen und brauchten daher weder die Vermittlung durch Maria noch durch andere Heilige, so seine Überzeugung. Diese Einstellung führte im 16. Jahrhundert zu Bilderstürmen, bei denen Bilder und Skulpturen in Kirchen zerstört wurden. Sie erklärt auch, warum es in evangelischen Kirchen kaum Mariendarstellungen gibt. Dennoch lohne es sich auch für Evangelische, Maria zu entdecken, sagt Pfarrer Schnell.

„Kunst und Religion“ findet regulär am 1. Mittwoch im Monat im Städel, am 2. Mittwoch im Monat im Liebieghaus statt. Da das Städel im Augenblick geschlossen hat, geht es jedoch am Mittwoch, 7. September, um 19 Uhr in den Dom. Thema ist der Maria-Schlaf-Altar.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 26. August 2011 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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