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Eine Demokratie aufbauen

Delegierte aus Ägypten besuchten Partnerstadt Frankfurt

Delegierte aus ägyptischen Jugendorganisationen diskutierten in der Heiliggeistkirche mit Oberbürgermeisterin Petra Roth und Pfarrerin Esther Gebhardt, der Vorstandsvorsitzenden des Evangelischen Regionalverbandes, über Demokratie und was eine Gesellschaft dafür braucht. Foto: Ilona Surrey

Die Augen von Iman Mohamed Gamal Abd El-Rahman leuchten. „Die Ägypter haben eine neue Seele, sogar die stille Mehrheit beginnt zu sprechen.“ Die 29 Jahre alte Vertreterin der Jugendorganisation „Development No Borders“ hat sich schon vor der Revolution, deren Bilder vom Tahrir-Platz in Kairo aus um die ganze Welt gingen, für den Aufbau ihres Landes engagiert. Genau wie die übrigen elf Mitglieder einer Delegation aus Fachkräften der Jugendarbeit und christlichen und muslimischen Organisationen, die von Frankfurts Partnerstadt Kairo im September an den Main gereist waren.

Von Freiheit spricht die 43 Jahre alte Soheir Aziz Tawfiq, die die in ganz Ägypten wirkende „Koptisch-evangelische Organisation für soziale Arbeit“ vertritt. „Die Furcht ist weg“, sagt sie, „wir können mehr Seminare, Konferenzen, Treffen machen, um Demokratie zu lehren.“ In den Berichten der Delegation, die sich auf Einladung des Evangelischen Regionalverbandes und der Stadt Frankfurt vor allem Einrichtungen der Jugendarbeit und der Jugendbildung anschaute, schwingt viel Mut und Willen zum Aufbau mit.

In der Heiliggeistkirche trafen sich die jungen Ägypterinnen und Ägypter mit Oberbürgermeisterin Petra Roth und der Vorstandsvorsitzenden des Regionalverbandes, Pfarrerin Esther Gebhardt. Wie funktioniert Demokratie? Und wie ein gutes Miteinander von Staat und Religion?

In die Hoffnungen auf Entwicklung und Zukunft in einem Land, wo zwei Drittel der Bevölkerung jünger als dreißig sind und zugleich die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen über 30 Prozent liegt, mischen sich nämlich auch Sorgen. „Salafisten und Muslimbrüder machen den Christen viele Probleme, sie brennen Kirchen nieder“, sagt Soheir Aziz Tawfiq. Und die Muslimin Abd El-Rahman fügt hinzu: „Die Armee führt die Regierung, ich habe Angst, dass wir einen Schritt zurückgehen.“

Eine Demokratie brauche „kulturpolitische Liberalität“, betonte Petra Roth. Die Basis sei aber, dass die Menschen sich selbst eine Verfassung geben auf der Grundlage ihrer Überzeugungen – daher seien Demokratien überall auf der Welt unterschiedlich ausgestaltet. Esther Gebhardt beschrieb das Verhältnis von Religion und Kirche in Frankfurt als „gegenseitige wohlwollende Neutralität“. Sie wies vor allem auf die Bedeutung der sozialen Situation hin. Spannungen entstünden in Gruppen, die vom allgemeinen Wohlstand ausgeschlossen sind. Deshalb könne hier seitens der Politik nie genug getan werden.

Gerade die deutsche Geschichte gebe ihnen Hoffnung, dass der Übergang von einer Diktatur zu einer Demokratie gelingen kann, betonten die Delegationsmitglieder. „Die Leute wollen, dass Ägypten ein besseres Land wird, aber auf eigene Weise. Niemand soll uns sagen, wie unser Land sein soll“, sagt Nada Mahmoud El-Gammal.

Im November werden zwölf in der Jugendarbeit engagierte Frankfurter und Frankfurterinnen zum Gegenbesuch nach Kairo fliegen.

Artikelinformationen

Beitrag von , , veröffentlicht am 1. Oktober 2011 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Sara Wagner ist Mitglied der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt" und Studentin der Kulturwissenschaften.

Susanne Schmidt-Lüer ist Redakteurin und schreibt vor allem über Sozialpolitik, Kirche, Alter und wirtschaftspolitische Themen.

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