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Von – 23. Mai 2012

Ist Pfingsten der Geburtstag der Kirche?

Im Allgemeinen gilt Pfingsten als „Geburtstag der Kirche“. Allerdings denken heutzutage die meisten beim Stichwort „Kirche“ entweder an ein Gebäude oder an eine Institution. Um zu erklären, was Pfingsten bedeutet, sollte man  andere Bilder finden, meint Antje Schrupp.

Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von „Evangelisches Frankfurt“.

In der christlichen Dogmatik gilt Pfingsten auch als „Geburtstag der Kirche“. Gemeint ist damit, dass mit der „Begeisterung“ der Jüngerinnen und Jünger, die sie an diesem Tag erlebten, und ihrer vom „Heiligen Geist“ inspirierten Fähigkeit, sich anderen verständlich zu machen quasi der Startschuss dafür gegeben wurde, dass sich das Christentum in aller Welt ausbreiten konnte.

Allerdings ist die Bezeichnung „Geburtstag der Kirche“ etwas unglücklich gewählt. Denn heute, zweitausend Jahre später, sehen die meisten Menschen bei dem Wort „Kirche“ wohl etwas anderes vor ihrem inneren Auge als eine Glaubensbewegung.

Heute denkt man bei dem Begriff „Kirche“ zunächst einmal an eine Institution mit festen Regularien und Hierarchien. Oder sogar nur an ein Gebäude. „Die Kirche“ ist im Alltagsverständnis der meisten eine große Organisation, in der viel Geld verwaltet wird, deren Interessensvertreterinnen und -vertreter für ihre Anliegen Lobbyarbeit machen, und wo Macht ausgeübt wird.

Das Feuer des Heiligen Geistes, der ja bekanntlich „weht, wo er will“, ist dort nicht öfter anzutreffen als anderswo. Vermutlich ist das einer der Gründe, warum Pfingsten nicht so wirklich ein populäres Fest ist. Viele fragen sich: Gibt es denn beim „Geburtstag der Kirche“ überhaupt etwas zu feiern? Oder ist mit der Institutionalisierung des Glaubens nicht auch viel von dem Charisma der frühen Christinnen und Christen verloren gegangen?

Sicher, eine Religion, eine Glaubensüberzeugung, die schon seit so langer Zeit Bestand hat und die so viele Menschen umfasst wie das Christentum, braucht eine gewisse Institutionalisierung. Die Kirche hat auch als feste Organisation ihren Sinn. Ob man ihr aber eines der höchsten christlichen Feste widmen muss, ist doch fraglich.

Die Formulierung „Geburtstag der Kirche“ ist ja kein Glaubensdogma, sondern nur der Versuch, die Bedeutung von Pfingsten griffig auf den Punkt zu bringen. „Fest der Geistesgegenwart Gottes“ wäre vielleicht eine bessere Formel.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 23. Mai 2012 in der Rubrik Gott & Glauben, Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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