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Von – 19. Juli 2013

Pflegt Beziehungen im Stadtteil: Heide Goralczyk

„Gute menschliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, ist für eine Gesellschaft so wesentlich“, sagt Heide Goralczyk, „gerade in der Großstadt“. Deshalb besucht sie regelmäßig alte Menschen im Ostend – ebenso wie elf andere Frauen vom Besuchsdienst der Nicolaigemeinde.

Für Heide Goralczyk sind gute Beziehungen in der Nachbarschaft wichtig. Deshalb besucht sie regelmäßig alte Menschen im Ostend. Foto: Ilona Surrey

Für Heide Goralczyk sind gute Beziehungen in der Nachbarschaft wichtig. Deshalb besucht sie regelmäßig alte Menschen im Ostend. Foto: Ilona Surrey

Ausgerechnet „Besuchsdienst“ wollte Heide Goralczyk im Ruhestand eigentlich nicht mehr machen. Denn als Sozialarbeiterin für die Stadt Frankfurt gehörten Hausbesuche zu ihren Aufgaben. Aber als sie vor fünf Jahren von der Nordweststadt ins Ostend zog, wollte sie sich in ihrem neuen Stadtteil vernetzen. Sie knüpfte Kontakte in die Nicolaigemeinde, und als Pfarrerin Sabine Drescher-Dietrich dann fragte, ob sie im Namen der Gemeinde ältere Menschen an ihren Geburtstagen besuchen wolle, ließ sie sich da-rauf ein.

Viele alte Menschen können das Haus nicht alleine verlassen

„Inzwischen mache ich vier bis sechs Hausbesuche im Monat, und zwar richtig gerne“, erzählt die 72-Jährige. „Man gibt etwas, aber man bekommt auch viel zurück.“ Viele alte Menschen könnten das Haus nicht mehr alleine verlassen und freuten sich deshalb sehr auf den Besuch. „Und mich bereichert es, zu erleben, wie alte Leute, die ja oft gebrechlich sind, ihr Leben bewältigen“, sagt Goralczyk. Beim Besuch erzählten sie ihr, wie sie Lebenskrisen gemeistert haben, wie sie mit Krankheit, dem Tod des Partners oder naher Freunde umgehen. „Es ist auch sehr interessant, wenn die über neunzigjährigen Frauen von ihrer Kindheit und Jugend oder ihren Erlebnissen im Krieg erzählen.“ Nebenbei erfahre sie so auch einiges über die Geschichte des Stadtteils.

Heide Goralczyk ist eigentlich gut ausgelastet, hat Geschwister, Freundinnen und Freunde. Aber ihr ist eben auch die direkte Nachbarschaft im Stadtteil wichtig. „Gute menschliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, ist für eine Gesellschaft so wesentlich“, sagt sie, „gerade in der Großstadt“.

Gespräche ergeben sich nur, wenn die Besuchten das wünschen

Ihr beruflicher Hintergrund kommt Heide Goralczyk bei ihrem Ehrenamt zugute: „Ich bin es gewohnt, zielorientiert mit Leuten zu sprechen“, sagt sie. „Ich komme unkompliziert in ein Gespräch hinein und auch wieder heraus.“ Manchmal gehe es auch ganz schnell: Bei vielen 70- und 75-Jährigen gibt sie nur einen Brief der Pfarrerin mit einer Einladung zum Kaffeenachmittag und ein Buchgeschenk an der Tür ab. Längere Gespräche ergeben sich nur, wenn die Besuchten das auch wünschen.

Die ehemalige Sozialarbeiterin weiß, wie sie sich davor schützen kann, zu sehr involviert zu werden: „Natürlich erleben wir auch Problematisches. Manchmal merken alte Menschen nicht, dass sie eigentlich Hilfe im Alltag brauchen, andere sind verwirrt.“ In solchen Fällen vermittelt sie, wenn gewünscht, einen Kontakt zum Sozialdienst, der sich dann um einen Putz- oder Pflegedienst oder um andere Hilfen kümmert.

Schade ist, dass keine Männer beim Besuchsdienst dabei sind

Einmal im Monat trifft sich Goralczyk mit anderen Ehrenamtlichen und mit Pfarrerin Drescher-Dietrich zum Austausch. Insgesamt engagieren sich im Besuchsdienst zwölf Frauen. „Dabei kann man erzählen, was man erlebt hat, was Spaß gemacht hat, was vielleicht problematisch war und auf welche Hilfe man verweisen kann.“

Schade findet sie nur, dass in der Nicolaigemeinde, wie in vielen Gemeinden, keine Männer mitmachen. „Gerade bei alleinlebenden Männern wäre das manchmal sehr hilfreich.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 19. Juli 2013 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe , .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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