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Von – 16. April 2015

„Die EZB verändert das Ostend“

Das südliche Ostend war traditionell eine nicht so wohlhabende Gegend. Doch gerade dort entstehen viele teure Neubauten. Auch die St. Nicolai-Gemeinde spürt, wie die EZB das Stadtviertel verändert. 

Pfarrer Wolfgang Löbermann (links) und Jochen Kerler, der Vorsitzende des Kirchenvorstands, vor der Nicolaikirche im Ostend. Großes Thema im Stadtteil sind die Veränderungen, die die Europäische Zentralbank dort bringt. Foto: Rolf Oeser

Pfarrer Wolfgang Löbermann (links) und Jochen Kerler, der Vorsitzende des Kirchenvorstands, vor der Nicolaikirche im Ostend. Großes Thema im Stadtteil sind die Veränderungen, die die Europäische Zentralbank dort bringt. Foto: Rolf Oeser

„Durch den Neubau der Europäischen Zentralbank haben wir jetzt nicht plötzlich mehr Gemeindemitglieder“, sagt Pfarrer Wolfgang Löbermann von der Nicolaigemeinde. „Aber unser Stadtteil, das Ostend, verändert sich natürlich schon dadurch.“

In der EZB am Mainufer arbeiten Menschen aus vielen Ländern Europas. Die meisten wohnen nicht im Ostend, sondern anderswo. Ihre Kinder bringen sie in den Betriebskindergarten der EZB, und wenn sie sich in einer Kirchengemeinde engagieren, dann oft in Migrationsgemeinden wie der finnischen oder der katholisch-spanischsprachigen.

Allerdings sorgt die EZB im Ostend schon länger für eine rege Bautätigkeit. Traditionell wohnen rund um den Parlamentsplatz im Norden des Stadtteils eher die besser Betuchten, während das südliche Ostend eine nicht so wohlhabende Gegend war. Doch gerade dort entstehen viele teure Neubauten. „Viele fürchten, dass die Mieten hier insgesamt steigen werden“, sagt Löbermann. „Die Gentrifizierung ist unser Thema.“

Im Mai plant die Gemeinde zusammen mit der Evangelischen Akademie eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Schnittstellen Ostend“, bei der es um Stadtentwicklung geht. Die Vernetzung über den eigenen Kirchturm hinaus sei dabei wichtig: Die Veränderungen betreffen ja nicht nur die Nicolai-Gemeinde mit ihren 5000 Mitgliedern, sondern auch die katholische Allerheiligen-Gemeinde, die Personalkirchengemeinde Nord-Ost, die Baptistengemeinde sowie die Trinitatisgemeinde der Selbstständig Evangelisch-Lutherischen Kirche. Die Ökumene läuft ohnehin gut im Ostend: Es gibt gemeinsame Andachten gegen rechtsradikale Demonstrationen am 1. Mai oder gemeinsame Passionsandachten. Auch gegen die Schließung des zweiten Zoo-Eingangs in der Rhönstraße haben die Gemeinden gemeinsam protestiert.

Neben der Stadtteilpolitik hat in der Nicolaigemeinde in letzter Zeit aber auch das Interesse an theologischen Fragen wieder zugenommen. Jochen Kerler, dem 36 Jahre alten Vorsitzenden des Kirchenvorstands, liegt insbesondere das Bibelforum am Herzen: eine offene Gruppe, die sich regelmäßig mit Pfarrerin Sabine Drescher-Dietrich trifft, um Bibeltexte zu lesen und einzuordnen. Außerdem bietet die Gemeinde ein breites Kulturangebot, vom Blechbläserensemble über die Kantorei bis zum Seniorensingkreis unter Dekanatskantor Andreas Schmidt. Die Gemeindepädagogin Monika Geselle organisiert Literaturabende oder Fahrten zu Kulturereignissen in anderen Städten. Museumspfarrer David Schnell, der mit einer halben Stelle auch in St. Nicolai Gemeindepfarrer ist, bietet Führungen durch die Museen an.

Er kümmert sich auch besonders um die alten Menschen im Stadtteil, wobei ihn ein 15-köpfiges Besuchsdienst-Team unterstützt. So hält er wöchentlich auch in den beiden Altenheimen des Ostends Gottesdienste.

Die Kindertagesstätte im Röderbergweg wiederum ist mit 134 Plätzen eine der größten evangelsichen Kitas in Frankfurt. „Früher konnte ich mir Krabbel-Gottesdienste ja nicht vorstellen“, gibt Pfarrer Löbermann zu. „Doch angeregt durch die Eltern-Kind-Gruppen-Arbeit finde ich es jetzt sehr schön, zu sehen, wie schon Dreijährige sich die Kirche erobern.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 16. April 2015 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe , .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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