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Von – 25. April 2015

Eschersheimer 109

Neue Wohngruppen für Kinder und Jugendliche in einem schönen Haus im Westend: Einrichtungsleiterin Tatjana Bär und ihr Team wollen alles daran setzen, dass sie sich dort geborgen fühlen, immer selbständiger werden und lernen, mit ihrer Herkunftsfamilie umzugehen.

Tatjana Bär in der "Trainingswohnung": Eine Dachgeschoßwohnung, in der Jugendliche lernen können, selbstständig zu werden.

Tatjana Bär in der „Trainingswohnung“: Eine Dachgeschoßwohnung, in der Jugendliche lernen können, selbstständig zu werden. Foto: Ilona Surrey

Mehrere Wohngruppen für Kinder und Jugendliche von 8 bis 18 Jahren beherbergt das Haus „Eschersheimer 109“ in Frankfurter Westend, das am 23. April eröffnet wurde. Die Träger – Evangelischer Regionalverband und Stadt Frankfurt – unterstützen mit diesem zentral in Frankfurt gelegenen Angebot den Kontakt zwischen Kindern und Eltern bestmöglich.

Familien stärken

Nicht selten, so Stadträtin Daniela Birkenfeld und Jürgen Mattis vom Evangelischen Regionalverband in ihren Eröffnungsreden, finden Kinder und Jugendliche, die der Unterbringung außerhalb der Familien bedürfen, nur in weiter Entfernung zu den Herkunftsfamilien eine Bleibe. Das erschwere die Bearbeitung der Konflikte innerhalb der Familie und trage eher dazu bei, den Kontakt vollständig abreißen zu lassen. Die Kooperationspartner machen sich mit gleich zwei neuen Häusern dafür stark, Familien zu stärken: Unlängst eröffnete die Kindervilla Hollerkopf in Niederursel ihre Pforten, die jüngeren Kindern ein Heim bietet.

Vertrauen lernen

Stephan Siegler, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammelung und Schirmherr der Heinrich-Kraft-Stiftung spielte in seinen Grußworten den Ball an die Kinder und Jugendlichen weiter. Eine ganze Kiste voller Spielgeräte für die Wiese hinter dem Haus, die erst noch wachsen muß, hatte er mitgebracht. Das Band des Vertrauens zu stärken, ist die Arbeit, die die Leiterin der Wohngruppen, Tatjana Bär, und ihr zehnköpfiges Team, das rund um die Uhr zur Verfügung steht, zu leisten haben. Wechselseitiges Vertrauen, Selbstvertrauen. Keine einfache Aufgabe, vielmehr eine, die nicht nur Professionalität verlange, sondern auch Herzblut.

Freuen sich über die Eröffnung des neuen Hauses: (von li. nach re.) Jürgen Mattis, Leiter des Fachbereichs Beratung, Bildung und Jugend im Evangelischen Regionalverband, Stadträtin Daniela Birkenfeld, Stadtdekan Achim Knecht sowie Einrichtungsleiterin Tatjana Bär. Foto: Ilona Surrey

Freuen sich über die Eröffnung des neuen Hauses: (von li. nach re.) Jürgen Mattis, Leiter des Fachbereichs Beratung, Bildung und Jugend im Evangelischen Regionalverband, Stadträtin Daniela Birkenfeld, Stadtdekan Achim Knecht sowie Einrichtungsleiterin Tatjana Bär. Foto: Ilona Surrey

Die Wiese ist gesät, das Haus saniert und eingerichtet und teilweise schon bewohnt. Neulich, so Tatjana Bär, hätten sich die Jugendlichen einen Sonntagnachmittag mit Kaffee und Kuchen gewünscht, und die Frage, ob denn die Betreuer auch dabei sein sollten, mit „Ja, aber natürlich“ beantwortet. Keine Selbstverständlichkeit, denn der Weg, den die Heranwachsenden zu beschreiten haben, sei kein leichter: In einer Lebensphase, in der es eigentlich darum geht, sich innerlich von den Eltern abzulösen, müssten sie sich mit der Aufgabe beschäftigen, erst einmal neues Vertrauen aufzubauen – ein Ambivalenzkonflikt, der im Alltag seine Spuren hinterlasse und alle täglich vor neue Herausforderungen stelle.

Trainingswohnung unter dem Dach

Zu sehen, dass man es niemals allein in der Hand habe, schaffe erst das Vertrauen, das notwendig sei, um über sich selbst hinaus zu wachsen, so Stadtdekan Achim Knecht in seinen Grußworten. Damit das gelingen kann, gibt es neben den Wohngruppen die „Trainingswohnung“ unter dem Dach, auf die Tatjana Bär besonders stolz ist: Dort können zwei Jugendliche einziehen, die den Sprung in die Selbständigkeit wagen möchten. Zwei Zimmer, verbunden von einem Gemeinschaftsraum mit Küche.

Für sich und miteinander

Verbindungswege hat der Architekt Volker Max Engelhardt viele geschaffen: Die Stockwerke des 500 qm große Hauses sind nicht nur durch das Treppenhaus, sondern teilweise auch über innenliegende Treppen miteinander verbunden. Noch bevor es ganz bewohnt ist, erzählt das Haus schon Geschichten darüber, wie es gelingen kann, gleichsam für sich und miteinander zu sein.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 25. April 2015 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe , .

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Dr. Silke Kirch studierte Germanistik, Kunstpädagogik und Psychologie in Frankfurt am Main und ist freie Autorin und Redakteurin.

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